Fähigkeit, sich auf Neues einzustellen, ist ein Aspekt von Gesundheit

Juni 30, 2010

Der Züricher Psychoanalytiker Ambros Uchtenhagen ist unter anderem Gründer und Stiftungsratsvorsitzender des schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung.

In einem Interview äußerte er seine Gedanken zum Begriff der „Gesundheit“:

Da habe ich eine eigene, scheinbar paradoxe Definition. Für mich heisst Gesundheit, dass man auch mit Behinderung und Krankheit leben kann. Hier zeigt sich die Gesundheit als Fähigkeit, sich auf neue Situationen einstellen zu können. Sie bedeutet eben nicht das Freisein von jeder Art von Behinderung, obwohl das natürlich eine Rolle spielt. Die Besessenheit von der Gesundheitsidee tut all jenen Unrecht, die von der Vollgesundheit Abschied nehmen mussten und notgedrungen ihr Leben mit diversen Behinderungen verbringen müssen. Diese Menschen dürfen nicht als Spielverderber behandelt werden. Wenn das Nichtrauchen zu einer neuen Ideologie und zu einer Tyrannei wird, dann haben wir jene Balance verloren, um die es letztlich geht.

(Quelle: Angelika Schett, „Was die Seele bewegt – Züricher Psychoanalytiker im Gespräch„, Verlag Neue Züricher Zeitung, 2009, S.80)

Dieser Ansatz von Ambros Uchtenhagen fasst in Worte, was viele HIV-Positive erleben, die eben diese Fähigkeit zu entwickeln vermochten, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen: Sowohl HIV-positiv diagnostiziert zu sein, als auch sich als gesund erlebend.

Wer unmittelbar mit einer HIV-Diagnose konfrontiert ist, erlebt in der Regel Angst, Verunsicherung und den Verlust von Gesundheit und ist völlig aus der Balance geworfen. In der folgenden Zeit kann es gelingen, die Fähigkeit zu entwickeln, sich auf die neue Situation einzustellen.

Lesetip hierzu in meinem blog auch: „Das P von proud…

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