Schwule sind eindeutig unpolitischer geworden

Oktober 28, 2009

In einem gepodcasteten 10-minütigem Interview mit der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ hält Erwin In het Panhuis, Vorstand des Vereins Centrum Schwule Geschichte / Köln einen politischen Rückblick auf die Entwicklung der Emanzipation und Akzeptanz von Homosexualität in der deutschen Gesellschaft.

Centrum Schwule Geschichte, Köln

Darüber hinaus bewertet er kritisch und pointiert die aktuelle Entwicklung: „Die Schwulen sind eindeutig unpolitischer geworden.“ Dabei gäbe es noch genug Anlass, sich gegen nach wie vor bestehende Diskriminierungen und Benachteilgungen zu wehren: „Ich glaube, dass die gesellschaftliche positive Einstellung auf einem sehr sehr wackeligen Fundament steht.“

Klischees übereinander gäbe es sowohl bei Heteros wie bei Schwulen. Erwin In het Panhuis bemerkt in letzter Zeit eine  höhere Offenheit von Heteros gegenüber Schwulen und Lesben. Schwule und Lesben dagegen würden oft lieber in ihren Subkulturen leben und ein Scheuklappendenken pflegen, weil sie sich in ihrer Parallelgesellschaft eingerichtet haben. Dagegen werden Heteros zunehmend im positiven Sinne entspannter, neugierig und fragen auch nach.

Im Dialog und Kontakt könnten Klischees dann schnell durchbrochen werden.

In der Ausgabe 11/2009 von Bild der Wissenschaft befindet sich ein Schwerpunktteil zu Homosexualität:

Schwule geben den Forschern nach wie vor Rätsel auf. Merkt man Kindern schon früh an, wenn sie „anders gepolt“ sind? Warum lehnen viele Menschen Schwule ab? Und wieso ist gleichgeschlechtlicher Sex im Tierreich so weitverbreitet?

Da scheint sich ein Weg zum Zeitschriftenstand am Kiosk zu lohnen!

Aber warum wird, wie oben in der zitierten Vorankündigung der Onlineredaktion von BdW, einmal wieder Homosexualität nur mit schwulen Männern angesprochen und lesbische Frauen bleiben als Gruppe nicht genannt?

Das gepodcastete Interview jedenfalls ist aufschlussreich, frisch und  politisch. Anhören lohnt!

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40 Jahre Stonewall: früher Straße – heute Gremien

Juli 15, 2009

Die Schwulenbewegung ist mitnichten in der Stagnation angekommen. Die Bewegung hat lediglich einen anderen Handlungsraum gefunden und ist von der Straße in die Gremien gewechselt. Leider ist darüber die Sichtbarkeit der politischen Arbeit verloren gegangen.

Dies ist eines der Ergebnisse eines intergenerativen Dialogs zu den politischen Visionen und Strategien der Schwulenbewegung 40 Jahre nach Stonewall. Dieser spannende Diskussionsabend  fand am 28.6.09 im Rahmen des Kölner CSD im Rubicon Beratungszentrum statt.

Die Diskussionsergebnisse wurden von Markus Schupp, Sozialwissenschaftler und Mitarbeiter des Rubicon, zusammengefaßt.

Zu der Podiumsdiskussion: „boys, bears & daddys Schwulenbewegung 40 Jahre nach Stonewall“  hatten die Schwulen ALTERnativen eingeladen.

Auf dem Podium diskutierten: Alfred Schiefer (Gay liberation front glf, Urgestein des Sozialwerks für Lesben und Schwule), Reinhard Klenke (AIDS-Hilfe NRW und Gründungsvorstand des KLuST), Denis Yücel (Preisträger der Kampassnadel, ehem. Anyway4You), Pascal Kasper (Schwusos Köln) sowie Anyway-Besucher.

Quelle: Newsletter Herzenslust vom 14.7.09