Der SPIEGEL ist es nicht

Januar 29, 2013

Die Deutsche AIDS-Hilfe distanziert sich von der Auszeichnung des Nachrichtenmagazins „Der SPIEGEL“ mit dem KOMPASSNADELl-Preis 2013 des Schwulen Netzwerk NRW.  Die  KOMPASSNADEL wird verliehen an „Persönlichkeiten, die sich um die Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz der schwulen Minderheit besonders verdient gemacht haben.“

Der Kritik der Deutschen AIDS-Hilfe schliesse ich mich an.

Mich hat die Auszeichnung des „SPIEGEL“ durch das Schwule Netzwerk NRW ebenfalls irritiert und verstört. Nicht vergessen ist mir, dass insbesondere der SPIEGEL in der Aidskrise über seine Berichterstattung zum  Scharfmacher wurde und die gesellschaftliche Stimmung gegen Menschen mit HIV und besondes auch gegen Schwule polarisierte.

Beispielsweise stellte SPIEGEL-Autor Hans Halter seinen Beitrag „Das Virus muss nur noch fliegen lernen“ in Nr.47/1987 sogar eine religiöse Anleihe voran, bevor er über einen der ersten schwulen HIV-Positiven schrieb:

„Und ich sah ein fahles Pferd;
und der darauf saß,
des Name hiess Tod,
und die Hölle folgte ihm nach.

Offenbarung des Johannes 6, Vers 8“

Der SPIEGEL sah sich als Frontberichterstatter der Apokalypse und hat diese Stimmung besonders über seine spezielle Wortwahl in der Berichterstattung zu AIDS jahrelang mächtig befeuert. Schwules Leben wurde diffamiert und an den Pranger gestellt.

Der SPIEGEL hat damit Auflage gemacht auf Kosten von Menschenrechten und Menschenwürde von schwulen Männern und von Menschen mit HIV.

Der SPIEGEL wurde so ein wesentlicher Antreiber der Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit HIV in Deutschland.

An deren Folgen leiden wir heute noch immer.

Die DAH hat recht, wenn sie von einer offenen Bringschuld des Nachrichtenmagazins spricht, sich den in der Vergangenheit begangenen Menschenrechtsverletzungen zu stellen und sich aktiv damit auseinanderzusetzen.

Es hätte sicher würdige Preisträger für die Kompaßnadel aus dem Medienbereich gegeben.

Der SPIEGEL ist es nicht.

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Anders altern – Lesben und Schwule kommen in die Jahre (akt.)

Januar 21, 2010

Die Broschüre „Anders altern – Lesben und Schwule kommen in die Jahre – Informationen für Beschäftigte in der Altenpflege“ ist nun nach langer Vorlaufzeit veröffentlicht.

Zum Inhalt:

Die Informationen sollen dazu beitragen, die Bedürfnisse von älteren gleichgeschlechtlich liebenden Frauen und Männern zu erkennen und Sensibilität dafür zu entwickeln. Die Lebenssituation der Älteren soll somit sichtbarer werden. Dabei geht es auch darum, soziale Netzwerke zu planen und aufzubauen und Orte für ältere Lesben und Schwule zu konzipieren, damit sie ein selbstbestimmtes Leben im Alter führen können. Die Broschüre wendet sich sowohl an die Managementebene von sozialen Einrichtungen und Pflegeeinrichtungen als auch an deren Beschäftigte.

Bezugsadresse:

Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit

Referat II 2

Dostojewskistr. 4

65187 Wiesbaden

Tel. 0611/817-3858

Fax 0611/8908-4105

mailto: ulrich.bachmann@hmafg.hessen.de

(Nachtrag:) oder hier auch als pdf.


Schwule sind eindeutig unpolitischer geworden

Oktober 28, 2009

In einem gepodcasteten 10-minütigem Interview mit der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“ hält Erwin In het Panhuis, Vorstand des Vereins Centrum Schwule Geschichte / Köln einen politischen Rückblick auf die Entwicklung der Emanzipation und Akzeptanz von Homosexualität in der deutschen Gesellschaft.

Centrum Schwule Geschichte, Köln

Darüber hinaus bewertet er kritisch und pointiert die aktuelle Entwicklung: „Die Schwulen sind eindeutig unpolitischer geworden.“ Dabei gäbe es noch genug Anlass, sich gegen nach wie vor bestehende Diskriminierungen und Benachteilgungen zu wehren: „Ich glaube, dass die gesellschaftliche positive Einstellung auf einem sehr sehr wackeligen Fundament steht.“

Klischees übereinander gäbe es sowohl bei Heteros wie bei Schwulen. Erwin In het Panhuis bemerkt in letzter Zeit eine  höhere Offenheit von Heteros gegenüber Schwulen und Lesben. Schwule und Lesben dagegen würden oft lieber in ihren Subkulturen leben und ein Scheuklappendenken pflegen, weil sie sich in ihrer Parallelgesellschaft eingerichtet haben. Dagegen werden Heteros zunehmend im positiven Sinne entspannter, neugierig und fragen auch nach.

Im Dialog und Kontakt könnten Klischees dann schnell durchbrochen werden.

In der Ausgabe 11/2009 von Bild der Wissenschaft befindet sich ein Schwerpunktteil zu Homosexualität:

Schwule geben den Forschern nach wie vor Rätsel auf. Merkt man Kindern schon früh an, wenn sie „anders gepolt“ sind? Warum lehnen viele Menschen Schwule ab? Und wieso ist gleichgeschlechtlicher Sex im Tierreich so weitverbreitet?

Da scheint sich ein Weg zum Zeitschriftenstand am Kiosk zu lohnen!

Aber warum wird, wie oben in der zitierten Vorankündigung der Onlineredaktion von BdW, einmal wieder Homosexualität nur mit schwulen Männern angesprochen und lesbische Frauen bleiben als Gruppe nicht genannt?

Das gepodcastete Interview jedenfalls ist aufschlussreich, frisch und  politisch. Anhören lohnt!


Kriterium für Kindesadoption ist liebevolle Fürsorge

Juli 23, 2009

Einen neuen Anlauf, um lesbischen und schwulen Lebensgemeinschaften die Adoption von Kindern rechtlich auch als Paar zu ermöglichen, unternimmt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries:

„Eine neue Studie habe belegt, dass Kinder in homosexuellen Lebenspartnerschaften nicht schlechter aufwüchsen als in anderen Partnerschaften“, sagte Zypries in einem Interview im Deutschlandfunk.

Zypries stellte heute eine „überdurchschnittlich repräsentative Studie“ vor, die belegt, dass Kinder in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften genauso aufwüchsen wie andere. In der nächsten Legislaturperiode will sie einen entsprechenden Gesetzentwurf vorlegen, der die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare erlaubt:

Das vom Bundesministerium der Justiz beauftragte Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg hat in Kooperation mit dem Staatsinstitut für Frühpädagogik in München die erste aussagekräftige Forschung über Kinder in Regenbogenfamilien in Deutschland vorgelegt. Der plural zusammengesetzte, begleitende Forschungsbeirat bezeichnet die Ergebnisse als international einzigartig.

Die Studie mit dem Schwerpunkt auf Kindern in Lebenspartnerschaften ist überdurchschnittlich repräsentativ: In Deutschland wachsen rund 2.200 Kinder in einer Lebenspartnerschaft auf. Die Situation von 693 dieser Kinder (32 %) wurde durch Befragung der Eltern analysiert, und 95 Kinder (5 %) wurden zusätzlich persönlich befragt. Zum Vergleich: Bereits eine Befragung von 1 % der Zielgruppe gilt gemeinhin als repräsentativ.

Frau Zypries weist darauf hin, dass in der Studie lediglich Paare, welche eine eingetragene Lebenspartnerschaft über das LPartG eingegangen sind, enthalten sind. Tatsächlich ist die Zahl der in schwulen und lesbischen Paarbeziehungen aufwachsenden Kinder natürlich größer.

Weitere Infos:

  • Bundes-Justizministeriums: Pressemitteilung
  • Das Interview mit Frau Zypries im DLF zum anhören hier