Selbstverständlich positiv – meine „Positive Stimme“

Januar 27, 2012

Für mich gilt es auch, dieses “positiv – na und?”. Es ist offenbar für viele HIV-Negative wie auch HIV-Positive verstörend, das wahrzunehmen. Aber wenn HIV doch nun einmal seit 22 Jahren meine Realität ist – dann ist das selbstverständlich so.

“Selbstverständlich positiv” ist für mich gleichbedeutend mit “positiv – na und?”

HIV als für mich selbstverständlich zu bezeichnen drückt aus, dass ich meine Realität anerkenne, und mein Bewußtsein meiner Würde und meines Selbstrespektes davon nicht verletzt und beeinträchtigt wird.

In diesem Sinne bin ich “poz&proud”, wie die niederländische Kampagne schwuler HIV-Positiver Männer heisst. Interessant ist, dass in der niederländischen Sprache das Wort “Trotz” dem deutschen “Stolz” entspricht. Stolz auf sein Leben, als schwuler Mann und auch mit oder trotz oder durch HIV zu sein, ist für Massen und Medien immer noch verstörend. Na und? Sie werden es lernen – oder auch eben nicht, was schert es mich!

“Positiv – na und?” drückt für mich Stolz aus, das Leben mit HIV offensiv zu leben und gelebt zu haben – und die gesellschaftliche Erwartung, doch Scham empfinden zu sollen – entschieden und selbstbewusst zurückzuweisen.

Meine Zeit der Selbststigmatisierung, die gab es, die ist aber eindeutig Vergangenheit. Das Bewusstsein und Wissen, bei wirksamer Therapie nicht mehr infektiös zu sein, ausgelöst durch die EKAF Stellungnahme vom 30.01.2008, hat sehr wesentlich dazu beigetragen.

Ich begrüße es sehr, dass Menschen mit HIV über die Deutsche AIDS-Hilfe mit dem Projekt „Positive Stimmen“ ihr Lebensgefühl und ihre Erfahrungen mit Diskriminierung und Stigmatisierung beschreiben. Raus aus der Vereinzelung mit diesen Erlebnissen, rein in das Gemeinschaftserleben, dass hier etwas gesellschaftlich passiert, was ungerecht und unangemessen ist.

Die Mitteilung des eigenen HIV-positiv-sein soll von niemandem mehr als „Geständnis“ erlebt werden. Was gibt es da zu gestehen? Dass man Sex hatte? Das man nicht alles unter Kontrolle hatte? Ich habe kein Unrecht begangen, als ich mich mit HIV angesteckt habe – ich habe gelebt und wollte das Beste für mich. Was daran soll ein Geständnis sein? Dieses im Zusammenhang mit einem HIV-Outing von HIV-Positiven oder auch Journalisten verwendete Wort „Geständnis“ stört mich sehr, denn in der offenbarten Angst der Anderen im Umgang mit HIV gestehen diese ihr Unwissen, ihre Dummheit und ihre Vorurteile. Das Leben mit HIV ist heute anders, als allgemein bekannt ist.

Ich habe viel gelernt – und das war ein spannender Prozess, über dessen Ergebnis ich im guten Sinne gelassen stolz bin.

“positiv – na und?” Ach lass uns doch über was Interessanteres als Selbstverständlichkeiten reden… :-)

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„Immer noch schmerzvoll“ – schwules Coming out zu Beginn der Aids-Krise

Februar 17, 2011

Im Magazin der Deutschen AIDS-Hilfe: „DAH-Aktuell“, erschien in der Ausgabe September 1993 unter dem Titel „Immer noch schmerzvoll“ ein Beitrag von Martin Dannecker, in dem dieser die Herausforderung beschrieb, trotz der Bedrohung durch AIDS ein schwules Coming-Out zu wagen und zu vollziehen.

Im Jahr 2011, 30 Jahre nach Beginn der AIDS-Geschichtsschreibung, veröffentliche ich mit Einverständnis der DAH diesen Text als historischen Beitrag, der insbesondere zum Verständnis der Biografien heute älterer schwuler Männer beitragen kann.

Immer noch schmerzvoll

Im Gespräch mit Aktuell beschreibt der Frankfurter Sexualwissenschaftler und Psychologe Martin Dannecker den Prozeß des schwulen Coming Outs.

Herr Dannecker, bei deutschen Jugendlichen zwischen zwölf und einundzwanzig Jahren gibt es eine Handvoll von HIV-Infektionen, die auf heterosexuelle Kontakte als Übertragungsweg zurückzuführen sind. Wie würden Sie angesichts dieser statistisch kaum noch meßbaren Bedrohung das große Interesse eines Heeres von Sexualwissenschaftlern und –pädagogen wie auch der Medien an flächendeckenden Aids-Präventionsmaßnahmen für diese Altersgruppe erklären?

Vergegenwärtigen wir uns diese heute fast schon nicht mehr rekonstruierbare Situation Mitte der achtziger Jahre, in der Aids große Hysterie auslöste. Die Standardparole was damals: „Aids geht alle an“. –Und gemeint waren damit ja wirklich alle, also auch die Heterosexuellen; da geriet die „unschuldige“ Gruppe der heterosexuellen Jugendlichen ganz automatisch ins Blickfeld. Dazu kam die falsche Vorstellung, die es seit der sogenannten sexuellen Liberalisierung gibt, dass es die Jugendlichen treiben wie die Schwulen, also bunt und durcheinander. Man wollte sozusagen wiedergutmachen, was diese sexuelle Liberalisierung ihnen „angetan“ hatte. Außerdem hatten einige Sexualpädagogen sicherlich auch das Interesse, Aids zu instrumentalisieren, um ihre schwindende Bedeutung wieder zu stärken.

Wo werden diese Diskurse gemacht und wer hält sie immer wieder am Laufen? Das derzeitige Interesse am Thema ist wohl ein Widerhall auf all die Forschungsvorhaben zur Jugendsexualität, die ja gerade jetzt abgeschlossen und in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Die neue Frage, ob es überhaupt noch notwendig ist, sich solch große Sorgen um die Bedrohung der Jugend durch Aids zu machen, wird noch nicht gestellt. In dieser nicht reflektierten humanen Geste des Beschützen-Wollens zeigt sich auch, dass Jugendliche immer dann zum Objekt des pädagogischen Zugriffs und der Sorge werden, wenn etwas gesellschaftlich als brenzlig und schwierig gilt. Die Erwachsenen sagen damit, dass die diese ganze schlimme Situation für die Jugendlichen schon richten werden. Man traut den Jugendlichen nicht so viele autonome Kräfte zu, dass sie mit entsprechenden Informationen, was Übertragungswege und Risiken anbelangt, allein zurecht kommen können.

Meinrad Koch, der Leiter des Aids-Zentrums im Bundesgesundheitsamt, rechnet nicht damit, dass es in absehbarer Zeit zu einem nennenswerten Anstieg von Neuinfektionen in dieser Gruppe kommen wird, weil heterosexuelle Jugendliche ihre ersten sexuellen Kontakte in der Regel in ihren Cliquen, also mit Gleichaltrigen aufnehmen würden. Unterscheiden sie sich damit von schwulen Jugendlichen?

Ja, es gibt eine Differenz. Ich erinnere mich an einen Jungen, der zu mir kam wegen eines Bundeswehrgutachtens. Er sprach von seiner Beziehung zu einem anderen Jungen, die mir so untypisch vorkam und gleichsam so heterosexuell, dass ich ihm zunächst unterstellte, er erzähle mir ein Märchen. Er hatte sich in der Schule in seinen Klassenkameraden und der sich auch in ihn verliebt. Sie sind dann, ohne dies voneinander zu wissen, zusammen in den Urlaub gefahren. Dort haben sie sich gegenseitig offenbart, zum ersten Mal miteinander geschlafen und waren sich von Stund an drei Jahre lang treu. Es erschein mir deshalb wie ein Märchen, weil es so war wie: Ich geh in den Wald so für mich hin, und nichts zu suchen war mein Sinn – und dann kommt plötzlich doch jemand.

Heterosexuelle Jungendliebe beginnt meistens in der Schule. Da gibt es einen Schulfreund, eine Schulfreundin, da sind die üblichen „peer groups“, die relativ homogen zusammengesetzt sind. Eine solche Gruppe gibt es für den jugendlichen Homosexuellen, der isoliert und allein ist, nicht. Er versucht, seine sexuellen Wünsche zu realisieren, indem er entweder eine Kontaktanzeige aufgibt – das machen sehr viele – oder indem er dort auftaucht, wo Schwule sich treffen; zunächst mal an den Orten, die nicht so dicht sozial strukturiert sind, also im Park, auf der Klappe. Um in schwule Kneipen zu gehen, müsste er seine Homosexualität schon zu einem großen Teil in seine Selbstwahrnehmung integriert haben. Aber wo er auch hingeht, dort sind nicht Gleichaltrige, die miteinander Kontakt haben, sondern es gibt eine höhere Altersdifferenz, die dann sozusagen zur Risikodifferenz wird.

Sie haben die sexuelle Liberalisierung angesprochen. Machen schwule Jugendliche heutzutage noch spezifisch andere Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit ihrer Sexualität und ihrer sexuellen Identität als heterosexuelle Jugendliche?

Der große Unterscheid ist, dass die Erfahrungen anders erfahren werden. Es gab die Vorstellung, dass im Zusammenhang mit der sexuellen Liberalisierung und mit der Schwulenbewegung das Erlebnis „Coming Out“ sich sehr stark verändert haben müsste. Ich kann das nicht feststellen, und es wundert mich auch nicht. Wir haben im Grunde dieselben Abläufe, wie wir sie schon vor zwanzig Jahren beschrieben haben.

In der Phase des Entdeckens und des Wahrnehmens, etwas wenn sie beim Onanieren homosexuelle Phantasien haben, reagieren schwule Jugendliche immer noch mit Abwehr. Das wird noch nicht als so konflikthaft erlebt, weil sie denken, dies sei eine vorübergehende Erscheinung. Wenn sich dann aber partout keine heterosexuellen Wünsche einstellen wollen oder wenn heterosexuelle Kontakte nicht zur Befriedigung der Sehnsüchte führen, wenn die eigene Homosexualität manifester und deutlicher wird, kommt es häufig zu Krisensituationen. Das alles findet nach wie vor in großer Isolation statt.

Ich kenne junge Homosexuelle, die ihren Eltern nicht sagen können und wollen, dass sie schwul sind, weil sie Angst haben, sie würden fallengelassen werden, obwohl sie eindeutig und sicher wissen, dass die Eltern nicht negativ auf ihre Homosexualität reagieren würden. – Das mögen Extremfälle sein, die aber etwas über die Normalität und das normale Coming Out aussagen. Sie wissen es aus Äußerungen, die wissen es, weil es einen homosexuellen Freund in der Familie gibt, und sie können es nicht, weil sie große Angst vor Liebesverlust haben.

Gut, das ist erklärungsbedürftig. Das hat zu tun mit einer diffusen bis negativen Reaktion auf die dem Coming Out vorausgehende Äußerung der Homosexualität. Homosexuell wird man ja nicht erst mit dem Coming Out, schwule Phantasien gibt es schon längst vorher. Und es gibt offensichtlich auch in vielen Fällen eine wahrnehmbare Differenz zwischen dem homosexuellen und dem nichthomosexuellen Kind. Gerade mit den Vätern kommt es zu Konflikten, wenn sie ihre  noch nicht manifest homosexuellen Söhne als zu wenig aggressiv, nicht männlich, sportlich oder praktisch genug erleben. So nimmt der Jugendliche, ohne dass er selber schon weiß, dass er schwul ist, die Diskriminierung von Verhaltensweisen wahr, die zu seiner Homosexualität gehören.

Sicherlich ist das Coming Out heute ein bisschen kürzer geworden, vielleicht fängt es auch ein bisschen früher an, aber es ist nicht konfliktlos geworden und wird immer noch als schmerzlicher Prozeß erlebt. Wenn der Jugendliche zum ersten Mal bereit ist, darüber zu sprechen, sei es mit Freunden, die nicht homosexuell sind, sei es mit den Eltern, dann mag es heute sehr wohl viel häufiger verständnisvollere Reaktionen als noch vor zwanzig Jahren geben – nur: Er muss sich erstmal trauen.

Was bedeutet es für das Coming Out, wenn junge Schwule ihre ersten Kontakte außerhalb ihrer gewohnten Zusammenhänge und an Orten, die ihnen fremd sind, herstellen müssen?

In dem Prozeß der Identitätsbildung sind die außerordentlich stark auf sich selbst gestellt, es gibt kaum Stützen und Hilfen. Ein Beispiel: Als die jüdische Schriftstellerin Hannah Arendt eingeschult wurde, sagte ihre sehr emanzipierte Mutter, wenn ihre Mitschüler sie peinigen würden, weil sie Jüdin sei, käme sie sofort und würde für Abhilfe sorgen. Hannah Arendt konnte sich also mit etwas Gemeinsamen identifizieren: mit ihrer jüdischen Familie. Homosexuell zu werden heißt dagegen, aus der Struktur dieser Familie herauszufallen, die eben nicht homosexuell, sondern heterosexuell ist. Das bedeutet eine frühe Isolation, in die das Fremdartige der Homosexualität so verwirrend einbricht, dass für ein strategisches, „vernünftiges“ Verhalten kaum Raum bleibt – also etwa auf die Beachtung von Safer Sex Regeln. Vom Jugendlichen dies in einer Situation zu verlangen, in der er noch nicht mal genau weiß, wer er ist und was er will, wäre wirklich eine kühne Erwartung an Rationalität.

Auf der einen Seite ist es das Unglück der Homosexuellen, dass sie so plötzlich herausfallen aus diesem elterlichen Verband, auf der anderen Seite kann es auch ihr Glück sein, autonom zu werden und aus diesen elterlichen Einhüllungen und Einseifungen herauszukommen.

Ein heterosexueller Jugendlicher kann mit seinen Freunden, in seiner Gruppe über Sexualität reden; wenn er Glück hat, auch in der Schule, im Elternhaus oder im Konfirmationsunterricht. Selbst in einem aufgeklärten Sexualkundeunterricht, der Homosexualität in akzeptierender Weise behandelt, wagen es schwule Jugendliche dagegen kaum, sich an den Diskussionen zu beteiligen, um eine Situation von vorneherein zu vermeiden, in der sie sich offenbaren müßten. Wohin wenden sich Jugendliche, die schwul werden, wenn sie mit anderen reden wollen?

Am besten an andere Schwule. Deshalb ist es ja auch eine weise politische Entscheidung, schwule Jugendläden oder Coming-Out-Gruppen zu gründen. Mit anderen Jungen, die ähnliche Probleme haben, kann eine Kommunikation darüber stattfinden, wie man Sexualität und Liebeswünsche in sein Leben integriert. Ein Gespräch mit den Eltern oder Freunden, mögen sie auch noch so verständnisvoll sein, kann eine Auseinandersetzung mit anderen Schwulen nicht ersetzen. Ein heterosexueller Freund kann die Sorgen nicht teilen, er hat ganz andere. Wenn er beispielsweise sagt, ich habe ja auch Schwierigkeiten mit meiner Sexualität. So leicht ist es ja auch nicht, eine Freundin zu kriegen, dann fühlt sich ein schwuler Jugendlicher ganz schnell missverstanden – zu recht. Es ist gar nicht die Frage, wie man einen Freund kriegt oder was man gegen sexuelle Schwierigkeiten unternimmt. Die zentrale Frage ist, wie man seine Homosexualität in der Welt und in sich selbst verankert.

An welchem Punkt während des Coming Out beginnen Jugendliche, sich mit Aids auseinanderzusetzen?

Das ist einen gute Frage – ich weiß es nur nicht. Zu mir kommen viele Jugendliche wegen dieser schon erwähnten Bundeswehrgutachten; ihre Aussagen sind für mich deshalb so wichtig, weil es sich bei ihnen nicht um „Patienten“ handelt. Von sich aus spricht davon nur eine Minderheit Aids als Konfliktpunkt an. Wenn ich nachfrage, bekomme ich zu hören, ja, das habe man sich auch schon „irgendwie“ bewusst gemacht. Häufig stecken aber die Eltern dahinter, die mit großer Sorge auf die Homosexualität reagieren und die Infektionsgefahr thematisieren.

Bemerkenswert ist, dass diejenigen, die von sich aus Aids als etwas ansprechen, was ihr Schwulwerden oder ihren Umgang mit homosexuellen Triebwünschen oder der Sexualität erschwert hat, ganz offensichtlich einen neurotischen Konflikt mit ihrer Homosexualität haben. Da spielt Aids dann eine ganz bedeutende Rolle und macht das Coming Out ungeheuer schwierig bis hin zu der Vorstellung, es wird aussichtslos: Wenn ich mir meine schwulen Wünsche gönnen würde, dann riskiere ich mich ja vielleicht so sehr, dass ich mich buchstäblich und wirklich vernichte.

Haben Sie auch Jugendliche erlebt, denen es von vorneherein gelingt, Safer Sex zu praktizieren zu können, ohne nennenswerte Abstriche an den eigenen Wünschen zu machen? Einige sagen ja, sie kennen Sexualität von vornherein nur mit Kondom, sie hätten damit kein Problem.

Safer Sex ist ebenso wenig selbstverständlich wie Sexualität überhaupt, zumal für schwule Jugendliche. Ein Junge, der über längere Zeit zu mir kam, sagte auch, er habe keine Schwierigkeiten mit Safer Sex. Dann hat er sich verliebt und sich gemeinsam mit seinem Freund testen lassen, damit sie aufs Kondom verzichten können – sprich: Es ist doch ein Problem. Wer schon im Coming Out mit der normativen Erwartung konfrontiert wurde, dass bei bestimmten sexuellen Kontakten ein Kondom dazugehört, dem mag die Benutzung zwar leichter fallen, aber bei den Konflikten dahinter gibt es zwischen Erwachsenen und Jugendlichen keinen große Unterschied. Da gibt es die ganze Bandbreite: Schwule, die das Kondom erotisch besetzen können, die das toll finden, auch in ihrer Phantasie; andere, die sich damit sehr geschützt fühlen, ihr Penis bleibt unverletzt und verursacht keine Verletzungen – ein Schutzgefühl, das weit über das hinausgeht, was Infektionen mit HIV anbetrifft.

Safer Sex funktioniert bei einem eher instrumentellen sexuellen Verhalten außerhalb von Beziehungen relativ gut. Bei einem eher expressiv-emotionalen Verhalten innerhalb von Beziehungen, wo es Phantasien von Liebe und Vertrauen und Verschmelzen gibt, da klappt es sehr viel schlechter.

Ist ein Jugendlicher, der sich selbst noch nicht als schwul begreift, aber schon sexuelle Kontakte mit Männern hat, in der Lage, sich zu schützen?

In bestimmten Konfliktsituationen auf Schutz zu bestehen, würde ja heißen, sich eine Gefährdung durch einen homosexuellen Kontakt einzugestehen. Man kann im Coming Out während einer langen Phase Sex mit anderen Männern haben, ohne das als schwule Kontakte wahrzunehmen. Wenn der Jugendliche noch keine schwule Identität hat, ist es schwer, dieses symbolisch so deutlich mit Aids beladene Kondom einzusetzen. Da ist es leichter, hochriskante Kontakte zu verweigern, etwa, dass man anal penetriert wird.

Es gibt allerdings auch Beispiele dafür, dass der erste riskante Sexualkontakt den Umschlagpunkt zum Eingeständnis der eigenen Homosexualität bildet. Wenn der Jugendliche mehr will als diese pubertären Spielereien mit Gleichaltrigen, wenn er seine Phantasien umsetzen will in die Realität, kann es geschehen, dass er sich auf ein Risiko einlässt, weil es auch bedeutet, jetzt den Schritt zu einem richtig schwulen Kontakt geschafft zu haben. Ich habe einem jungen Mann, der sich tatsächlich bei seinem ersten schwulen Sex infiziert hat, die naive und blödsinnige Frage gestellt, warum er sich denn nicht geschützt habe. Er hat völlig adäquat geantwortet: ihm sei alles andere durch den Kopf gegangen, er sei so verwirrt gewesen, dass er beim besten Willen daran nicht habe denken können.

Viele Sexualpädagogen vertreten ja immer wieder, dass das entscheidende kommunikative Mittel auch in der sexuellen Auseinandersetzung die Sprache sei. Sie stärken Jugendliche darin, mit dem Partner über ihre sexuellen Wünsche und Schwierigkeiten zu reden. Ich glaube nicht, dass das funktionieren kann. Die entscheidende Kommunikation in der Sexualität verläuft ohne Worte, durch Sensibilität für die körperlichen Reaktionen, durch blicke. Wir alle setzen Sprache erst dann ein, wenn die Sexualität wirklich so konflikthaft geworden ist, dass metasprachliche Mittel und körperliche Codes nicht mehr durchsetzungsfähig sind – wenn also nichts anderes mehr hilft.

Was kann die Aids-Hilfe dazu beitragen, dass junge Schwule den Prozeß des Coming Out durchleben, ohne sich zu infizieren?

Sie muß ihre politische Kraft, ihre Bedeutung einsetzen, dass Homosexualität als ein selbstverständliches Feld der Sexualität gezeigt wird, ohne dass moralisiert wird. Das kann im Sexualkundeunterricht, in Kino- oder Fernseh-Spots, auf Plakaten und in Broschüre geschehen. Nur: Es wäre für bestimmte Gruppen eher kontraproduktiv, wenn die Aids-Hilfe das selbst tut. Sie wird mit Recht als homosexuelle Organisation betrachtet. In ihren Broschüren propagiert sie ja ungebrochen das freie und lustvolle Ausleben schwuler Sexualität. Das ist auch gut so, das sind ihre Meriten, das verschafft ihr großes Vertrauen bei Schwulen. Jugendliche allerdings, die der Homosexualität noch ambivalent gegenüber stehen, werden diese Ambivalenz natürlich auch der Aids-Hilfe gegenüber empfinden. Wer noch nicht für  sich akzeptieren kann, schwul zu sein, wird einen Bogen um Institutionen machen, die so schwul sind wie die Aids-Hilfe. Das werden einige in den Aids-Hilfen nicht gern hören, weil sie sich für alles zuständig fühlen, was mit Homosexualität zu tun hat.

Herr Dannecker, vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellten Sönke Müller und Jürgen Neumann.


Respekt für den 21-jährigen HIV-positiven Marcel

Dezember 1, 2010

Seit bald einem Jahr kenne ich Marcel, der sich im Alter von 20 Jahren mit HIV infizierte und sich wenige Monate später im November 2009 mit HIV outete. Marcel zeigt, dass man mit HIV auch offen und ohne sich zu verstecken leben kann.

Diesen Blogbeitrag zu meinen 21. Welt-AIDS-Tag in diesem Jahr 2010 – wo sich u.a. meine eigene HIV-Diagnose zum 20. Mal jährte – widme ich Marcel stellvertretend für alle jungen HIV-Positiven – und poste dieses dbna-Videointerview mit Marcel.

Für dbna hat Marcel jetzt ein Interview gegeben, in dem er unter anderem gefragt wird:

Was hat dich dazu bewogen, dein Blog zu starten?

Marcel: Ich habe selbst im Internet nach Informationen zum Thema gesucht. Da stößt man dann beispielsweise auf die Seiten der Deutschen Aidshilfe. Das ist aber alles sehr theoretisch. Dann gibt es ein, zwei Blogs von Betroffenen, die sind aber schon über 40 Jahre alt. Ich finde es gut, dass sie das machen. Aber ich kann mich selbst damit nicht identifizieren. Ich hab nie was von oder über junge Leute gefunden. Das wollte ich ändern. Ich merke natürlich, dass ganz viele junge Leute über YouTube oder das Blog auf mich stoßen und sich dafür interessieren. Das wäre vielleicht nicht der Fall, wenn es niemanden wie mich geben würde.

Respekt und Kompliment für Marcel.

Viel Glück mit allem, was Du tust!


Positives schwules Leben im Altenheim (akt.)

März 21, 2010

Wer spricht schon gern vom Älterwerden? Wer denkt gar an Gebrechen und ans Altenheim? Wir alle verdrängen zu gern, dass unser Leben in Abschnitten verläuft und einer eben auch der letzte sein wird.

Ein Beitrag von Thomas Villmow, geschäftsführender Vorstand der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth e.V.

Heinz H. ist als schwuler Mann mit 75 Jahren im letzten Lebensabschnitt angekommen. Doch für ihn ist das ein Grund zum Feiern. Mehr als 30 Gäste lud er im letzten Jahr zu seinem runden Geburtstag ins Alten- und Pflegeheim der AWO ein, wo Heinz seit einem Jahr ein neues Zuhause gefunden hat. Im schönen Nürnberger Stadtteil Johannes gelegen, besuchen wir Heinz zu einer Stippvisite und wollen erfahren, wie sein Leben mit einer HIV-Infektion und im Alter aussieht.

Das Altenheim, nahe den Pegnitzauen gelegen, vermittelt einen ersten, schönen Eindruck. Etwas kitschig finde ich die Eingangshalle und das Treppenhaus, aber es scheint wohl den Geschmack der Bewohner zu treffen. Die Gänge zu den Zimmern empfinde ich als steril. Sie vermitteln mir ein Gefühl von Krankenhausatmosphäre. Doch dieser Eindruck schwindet, betritt man das kleine, aber sehr wohnlich und mit persönlichen Möbeln eingerichtete Zimmer, das Heinz bewohnt.

An der linken Seite steht sein Schreibtisch, auf dem ein altes Foto aus seiner Jugendzeit steht. Er säße oft am Schreibtisch, meint er, da er ja Mitglied im Wohnbeirat sei und viele Bewohner seinen Rat suchen. Die älteste Dame im Haus ist 104 Jahre und fast noch so aktiv wie er. Doch die Leute haben ihn gewählt, weil er so lustig sei. Und lustig sollte es schon zugehen, in einem Altenheim, wo jeder Bewohner über etwas anderes jammern kann.

Heinz fühlt sich hier sehr wohl, seitdem er im August letzten Jahres hier einziehen durfte. Und das war vorher ganz und gar nicht der Fall. Fast drei Monate hielt er es in einem Altenheim in Fürth aus, wo das Essen scheußlich schmeckte und das Personal unfreundlich und intolerant war. So zog er mit Mitte 70 noch mal los auf die Suche nach einem Heim, dass sich tolerant gegenüber einem schwulen und HIV-positiven Mann zeigte. Doch dies war mehr als schwierig. In offener Art und Weise wurde ihm bei Aufnahmegesprächen vermittelt, dass man einen schwulen Mann im eigenen Altenheim nicht wünsche. Und dabei hat Heinz vorab noch gar nichts von seiner HIV-Infektion erzählt. Erst nach vielen Versuchen landete er bei der Leitung des AWO-Altenheims, die sich freundlich und tolerant zeigte und Heinz binnen drei Tage bei sich aufnahm.

Und genau das schätzt Heinz an diesem Haus. Er kann aufstehen und schlafen gehen, wann er mag. Seine offen gelebte Homosexualität und seine chronische Erkrankung ist für die Pflegekräfte kein Problem. Die Medikamente richtet täglich die nahegelegene Apotheke her und liefert sie direkt ins Heim. So kann nichts schiefgehen und die medizinische Versorgung funktioniert, auch dank Hausbesuche seines Schwerpunktarztes, einwandfrei.

Wie ein Tagesablauf aussieht, möchte ich wissen. Er frühstücke fast bis Mittag, meint Heinz und wird natürlich am Vormittag beim Waschen unterstützt. Die meist weiblichen Pflegekräfte sind alle sehr freundlich und nett, sprechen aber zumeist nicht deutsch. So verständigt man sich schon mal mit Händen und Füßen. Entgegen den anderen männlichen Heimbewohnern, würde sich Heinz gern mal einen jungen Pfleger wünschen, doch das ist fast aussichtslos, denn im ganzen Haus gibt es wohl nur einen. Und der zieht zumal die Begehrlichkeiten der weiblichen Heimbewohner an sich.

Am Tage schaut er viel fern, meist Sendungen über Tiere und hält sich zu den Mahlzeiten viel in den Gemeinschaftsräumen des Heimes auf. Besuch bekommt er kaum noch. Nur ein Freund aus alten Tagen des Lederclubs Nürnberg, den er mal gegründet hat, besucht ihn hin und wieder. Und natürlich Ludwig, sein Freund, taucht dreimal die Woche auf. Weil er kaum noch laufen kann, kommt er aus dem Heim recht wenig raus. Aber er fühlt sich hier ja auch geborgen und aufgehoben. Auf die Frage, ob er sein altes Zuhause in der Nürnberger Humboldtstraße vermisse, ernte ich nur ein Kopfschütteln. Hier kann ich zum Rollstuhltanzen und zu Gruppenevents gehen. Erst letzte Woche gab es ein Oktober-Weinfest, auf dem er sich köstlich amüsiert habe. Was soll er da alten Zeiten nachtrauern?

Ich schau auf das Foto mit dem sympathischen Jungen Mann und muss unweigerlich daran denken, wo ich in diesem Alter wohl leben werde. Eine Antwort auf diese Frage fällt mir nicht ein. So erzähle ich Heinz von unserem Hausumbau in der Jakobstraße und Entengasse, denn ich weiß, dass er hier fast 10 Jahre als Pächter des Hotels Walfisch gewirkt hat. Zuletzt bereits schwer erkrankt, wuchs ihm der Job über den Kopf. Sein bewegtes Leben krönte in einer dreimonatigen Inhaftierung in den USA, weil er völlig nackt in ein Schwimmbad ging. Was niemand damals wusste: Heinz hatte eine Toxoplasmose als Folge der HIV-Infektion, die soweit fortgeschritten war, dass er sich nicht mehr an das erinnern konnte, was er tat. Er kehrte mit gerade mal 48 Kilo Körpergewicht nach Deutschland zurück, beendete kurz darauf seine berufliche Laufbahn und zog sich ins Private zurück. Dass die AIDS-Hilfe nun das aus schwuler Stadtgeschichte heraus eher traditionsreiche Walfisch-Haus besitzt und umbaut, freut ihn sehr und es liegt ihm viel daran, bei der Eröffnung im Sommer 2010 dabei zu sein.

Die Sonne streift hinter einer dunklen Wolke hervor und wirft plötzlich einen hellen Stahl in das kleine Appartement. Wie alt muss man werden, was alles erleben, um in einem kleinen Zimmer mit einigen Habseligkeiten aus vergangener Zeit zu landen? Ich verwerfe den Gedanken und erinnere mich daran, dass im Leben einzig zählt, dass man sich glücklich und geborgen fühlt. Und das hat Heinz erreicht.

Wie lange er wohl hier bleiben wird, will ich wissen. Das kann er mir genau sagen, meint er. Denn bereits mit 9 Jahren hat ihm eine Wahrsagerin gesagt, er werde im Jahr 2017 mit 83 Jahren der Welt lebe wohl sagen. Und bis dahin freut er sich auf viele schöne Jahre in seinem neuen Zuhause.

Ich verlasse das Heim mit einem lachenden und weinenden Auge. Gut zu wissen, dass es Heinz hier gut geht. Doch wird dies auch die immer größer werdende Zahl an älteren Schwulen mit chronischen Erkrankungen schaffen? Bis dahin ist wohl noch viel Toleranzarbeit zu leisten in den Köpfen der Menschen, die sich um die Belange von alten und pflegebedürftigen Menschen in unserer Region kümmern.

Erstveröffentlicht in: „denkRAUM“, Dezember 2009, Magazin der AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen-Fürth. Herzlichen Dank für das Einverständnis der Übernahme des Beitrages in meinen Blog!

Nachtrag 29.6.2010: Die AIDS-Hilfe Nürnberg-Erlangen Fürth teilt in ihrer „denkRAUM“-Ausgabe vom Mai 2010 mit, dass Heinz H. am 24 Mai 2010 im Alter von 76 Jahren gestorben ist.  (Zum Nachlesen die Ausgabe Mai 2010 wählen)

***

Empfehlenswerte Links:

Homosexualität und Alter – Informationen für Beschäftigte in der Altenpflege, Hrsg.: Hessisches Ministerium für Arbeit, Familie und Gesundheit, Dezember 2009

Frankfurter Resolution zur Verbesserung der Lebens- und Pflegesituation von gleichgeschlechtlich liebenden, HIV-infizierten und transsexuellen Seniorinnen und Senioren, Juli 2009



Realitätsabgleich: HIV-Alltag mit mehr Normalität

Dezember 20, 2009

Gegen den Strich gebürstet und erfrischend quergedacht liest sich Stefan Jäkel in dem Interview, dass er für die Sonderbeilage des Magazins „Siegessäule“ zum Welt-AIDS-Tag 2009 gab.

Hier eine kleine Passage:

SIS: Fehlen uns „positive“ Vorbilder?

Ja, Leute, die deutlich machen, dass ein normales Leben mit HIV möglich ist. Dabei geht es nicht nur um Promis, sondern um Sichtbarkeit in Freundeskreisen, Vereinen, Arbeitsverhältnissen.
Ich kann jeden verstehen, der für sich entscheidet, sich in bestimmten Situationen nicht zu outen. Und das Erwerbsleben ist mitunter ein sehr sensibler Bereich. Aber jemanden generell davon abzuraten, dann bringt man ihn/sie vielleicht auch um eine Chance für einen offenes und selbstverständliches Leben mit HIV. Auch hier präferiere ich die individuelle Lösung. Für gesellschaftliche Veränderungen braucht es allerdings mehr Leute, die sichtbar sind. Denn Veränderungen passieren durch persönliche Bezüge, Geschichten und Bilder. Individuell kann jeder schauen, ob mit einem HIV-positiven Coming-Out nicht auch ein Benefit verbunden wäre: weniger Stress, Anerkennung erfahren. Die Krankheitsbewältigung kann auch als Ressource für sich und für andere verstanden werden. Offen lebende HIV-Positive können manchmal ein großes Potenzial an sozialer Kompetenz mitbringen.

Das vollständige Interview mit Stefan Jäkel ist nur online zu lesen.

Die Redaktion der Siegessäule meint:

… Ein offener Umgang mit der Krankheit ist selbst in Berlin oft keine so einfache Sache. Umso mutiger ist es, dass sich zehn Berliner bereit erklärt haben, uns von ihrem Leben mit HIV zu erzählen.
Die Onlineredaktion der Siegessäule hat ein umfangreiches Dossier zum Weltaidstag 2009 erstellt. Auf den folgenden Seiten stehen die kompletten Interviews bzw. Porträts der offen HIV-Positiven, Meinungen von Expertinnen und Experten sowie eine Auswahl an Veranstaltungen.

Dossier, die Interviews und das download der Printbeilage finden sich hier.


Die Verzauberten sieht mann in München

Oktober 23, 2009

Sehr beachtenswert ist die Ausstellung „Die Verzauberten“, die noch bis zum 30. Oktober 09 in München im Sozialreferat am Ostbahnhof zu sehen ist. Sie beinhaltet „Gesichter und Geschichten alter schwuler Männer“, die zwischen 1916 und 1946 geboren sind.

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Die vollständige Ausstellung mit allen Fotos und Texten ist in einem schönen Katalog zur Ausstellung dokumentiert und bleibt als Datei hoffentlich noch einige Zeit auf der homepage der Stadt München eingestellt.

Für die Stadt München spricht Hep Monatzeder als Bürgermeister in seinem Grußwort eine deutliche Sprache:

„… Die Ausstellung zeigt die Gesichter von zehn schwulen Männern, die in diesen Jahrzehnten aufgewachsen sind und gelebt haben. Sie erzählt ganz eigene und doch ähnliche Lebensgeschichten. So individuell die Biografie jedes Einzelnen ist, so kollektiv ist die Erfahrung an Ausgrenzung und Benachteiligung, manchmal sogar Gewalt. Es ist sicher nicht falsch, von einer verwundeten Generation zu sprechen.

Für mich ist es eine Ehre, als Bürgermeister der Landeshauptstadt München die Schirmherrschaft für diese Ausstellung zu übernehmen. Ich möchte dies auch als Ausdruck dafür verstanden wissen, dass die Landeshauptstadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, jenes Unrecht, dass viele schwule Männer erfahren mussten, wenigstens ein bisschen wieder gut zu machen. …“

Wiedersehen mit Peter Schauwecker

Die Ausstellung hatte ich zusammen mit einem Freund besucht. Fotos und die sie begleitenden Kurzbiografien gaben uns eine Fülle von Impulsen, uns an eigene Erlebnisse zu erinnern und ins Gespräch über unsere eigenen Biografien zu kommen. Obwohl wir wesentlich jünger sind, ist auch unser Aufwachsen in heteronormierten Familien und gesellschaftlichem Umfeld geprägt von Widerständen, die es zu überwinden galt, was uns auf ganz unterschiedliche Weise mal besser, mal schlechter gelang.

Ausstellungsraum 1. Stock Sozialreferat

Die Fotos sind hier in einer Galerie bei Queer.de zu sehen.

Mich freut, eine städtisch-öffentliche Ausstellung  zu sehen, in der ältere Schwule sichtbar werden. In den Kurzbiografien vermitteln sich die Lebenswege als gelungene Lebensentwürfe in einem widrigen Lebensumfeld. Die portaitierten Männer wirken glaubwürdig.

Aidskrise in den 1980er Jahren

Nachdenklich macht mich, dass Einsamkeit und nicht herbeigewünschtes alleine-leben als ebenfalls existierende Realität älterer schwuler Männer innerhalb dieser Ausstellung nicht vorkommt. Mit den Schattenseiten einer durchaus auch gelungenen Lebensgestaltung ist es ja auch persönlich konflikthafter,  öffentlich zu werden.

Zufälligerweise suchte mich diese Woche ein 82-jähriger schwuler Mann in der Beratungsstelle auf, der 1957 unter dem § 175 verhaftet, verurteilt und inhaftiert worden war. Spürbar ein Mann mit  viel Geschichte und vielen zu erzählenden Geschichten. Um mit ihm weiter in Kontakt zu bleiben, bin ich auf den Briefverkehr angewiesen. Ein Telefon hat er abgeschafft: Es ruft ja eh keiner an und es gibt keinen, den er selber anrufen könnte.

Unserem weiteren Kontakt sehe ich mit lebendigem Interesse entgegen.


Auch schwule Mönche mögens stilvoll

April 30, 2009

Da staunt die werte Leserschaft: Die Berliner Morgenspost vermeldet am 29.4.09:

Regeln für homosexuelle Mönche

Thailands Mönche bekommen Nachhilfe im Benehmen: Ein entsprechendes Handbuch für „Gute Manieren“, das demnächst veröffentlicht wird, beinhaltet Richtlinien über den Umgang mit Alkohol, Rauchen und Hygiene. Das Einmaleins des guten Tons im Kloster richtet sich vor allem an homosexuelle und transsexuelle Mönche, deren Auftreten in der Vergangenheit immer wieder für Unmut bei konservativen Buddhisten gesorgt hat. Sie dürfen im Kloster künftig nicht mehr rosa Taschen tragen und sich auch nicht mehr die Augenbrauen nachziehen. Zudem gelten eng anliegende Kleider als unpassend.