Rückblick mit Stolz und Selbstbewusstsein – Torsten zu 25 Jahre Aids-Arbeit in Köln

Dezember 12, 2010

Torsten Bless, Chefredakteur des Magazins rik, erinnert sich im Editorial 12/2010 daran, wie der Umgang mit HIV seine Biografie prägte, wie er in Köln zusammen mit anderen anpackte und darin Gemeinschafts- und Grenzerfahrungen erlebte :

Stolze Geschichte

Eine wilde Zeit des Austobens war mir nicht vergönnt. Schon kurz nach meinem Coming-out 1983 bekam ich es mit den ersten Schreckensnachrichten über Aids zu tun. Vielleicht zum Glück, denn so konnte ich mein Sexverhalten schnell den neuen Umständen anpassen.

Später, als sich die Erkrankungen und Todesfälle häuften, wollte ich „etwas tun“. Zwar hatte ich erst als Zivi, dann als Aushilfe im Altenheim gearbeitet, doch das bereitete mich höchstens technisch auf meinen nächsten Studi-Job vor. Beim gerade eröffneten ambulanten Dienst der Schwulen Initiative für Pflege und Soziales stieg ich im April 1991 als Betreuer und Haushaltshelfer ein – und hätte beinahe zwei Monate später wieder das Handtuch geschmissen, als mir ein früherer Beziehungsversuch bei der Teamsitzung als neuer Patient vorgestellt wurde. In den dreieinhalb Jahren dort sollte ich noch öfter an meine Grenzen geraten, wenn ich hautnah mitbekam, wie zum Teil langjährige Partnerschaften durch den Tod auseinandergerissen wurden. Oder sich das Virus in den Hirnen meiner Patienten so festsetzte, dass sie die Kontrolle über sich und ihre Handlungen verloren. Oder auch wenn die Temperamente etwa zwischen mir Mittelklasse-Schwulen und einer in vielen Lebensstürmen erprobten Ex-Drogengebraucherin so gar nicht zusammenpassen wollten. Viele waren nicht automatisch dankbar, dass wir für sie da waren, sondern wütend – auf das Virus, das sie zur Pflegebedürftigkeit verdammte, auf Freunde, die sich im Stich ließen, und auch auf sich selbst.

Im Februar 1995 stieg ich für zweieinhalb Jahre bei der Aidshilfe Köln in die „Prävention in schwulen Lebenszusammenhängen“ ein, bekam dabei direkt mit so spannenden Aufgaben wie der Organisation von Seminaren für Ledermänner oder Gehörlose zu tun. Als Streetworker war ich an festen Abenden in der Szene, doch auch wenn ich nicht mit dem großen Regenbogenbutton in der Kneipe hockte, suchten Männer meinen Rat, darunter auch solche, mit denen ich am liebsten alles mögliche andere gemacht hätte.

25 Jahre Aidshilfe zu feiern, fällt politisch korrekt denkenden Mitmenschen schwer, schließlich sind viel zu viele an den Folgen der Immunschwäche gestorben. Doch damals nahmen Menschen, die sich und ihre Gemeinschaft bedroht gesehen haben, selbst das Heft in die Hand. Aids hat unter Schwulen (und Lesben), im Gesundheitswesen, in der Politik Energien freigesetzt, die letztlich zu einer sichtbareren und stolzen Community geführt haben.

Allen Härten oder Differenzen zum Trotz bin ich dankbar für das, für die Erfahrungen, die ich in „meinen“ sechseinhalb Jahren in der Aidsarbeit sammeln durfte, für die Begegnungen mit zum Teil tollen und engagierten Menschen, die ich sonst vielleicht nie kennen gelernt hätte. Und stolz darauf, zu dieser Geschichte zu gehören.

Herzlichen Dank an Torsten für das Einverständnis, seinen Beitrag hier in den  Blog zu übernehmen.

Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Aidshilfe Köln kommen in der Dezember-Ausgabe der rik 3 weitere schwule Männer als Zeitzeugen zu Wort: Michael Zgonjanin (S.12) , Gerhard Malcherek (S.13) und Michael Schumacher (S.14)

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Free Hugs – … zum CSD 2009 in Köln???

April 24, 2009

Wer hat Lust auf Free Hugs und macht mit zum CSD 2009 in Köln ????

Immer wieder einfach schön!! Die Free Hugs Kampagne wurde vom Australier Juan Mann gestartet und fand durch dieses Video seinen Weg durch die Welt:

Auf der homepage der Free Hugs Campaign steht mehr:

Sometimes, a hug is all what we need.

Free hugs is a real life controversial story of Juan Mann, A man whos sole mission was to reach out and hug a stranger to brighten up their lives.

In this age of social disconnectivity and lack of human contact, the effects of the Free Hugs campaign became phenomenal.

As this symbol of human hope spread accross the city, police and officials ordered the Free Hugs campaign BANNED. What we then witness is the true spirit of humanity come together in what can only be described as awe inspiring.

In the Spirit of the free hugs campaign, PASS THIS TO A FRIEND and HUG A STRANGER!

Free hugs @ Köln 🙂

Free hugs @ Berlin 🙂

Free hugs @ Amsterdam 🙂

Gratis Knuffels @ Niederlande 🙂

Free hugs @ Paris 🙂

Free hugs @ Wien 🙂

Free hugs @ London 🙂

Free hugs @ San Francisco:

Free hugs @ Brasilien: „Abracos gratis“ 🙂


Trümmerfeld, Schuttberge und Steinigungen – Nachdenkliches an der Unglücksstelle des Kölner Stadtarchivs

März 7, 2009

Nach außen wirkt alles recht ruhig in der Südstadt an diesem Samstagnachmittag gegen 16 Uhr. Die Sonne scheint ein wenig, aber es ist kalt. Weiträumig ist die Unglücksstelle von der Polizei abgesperrt, einige Anwohner passieren die Absperrungen und gehen ihrem Alltag nach. Das Leben muss schließlich weitergehen.

Eine überschaubare Anzahl von Menschen möchte wie ich einen eigenen Eindruck von der Unglücksstelle bekommen. An keiner Stelle kommt es zu Behinderungen von Polizei, Feuerwehr und Bauarbeitern. Die Ruhe und erforderliche gelassene Routine stehen scheinbar im Widerspruch zu der emotionalen Tragödie für Menschen und Kulturgut, die sich 100 Meter weiter ereignet hat.

Von der südlichen Absperrung aus sehe durch die Straßenschlucht der Severinsstraße und erkenne den Schuttberg des eingestürzten Stadtarchivs. Dahinter das Haus mit den aufgerissenen Wohnungen und freiliegenden Zimmerwänden. Was an Rettungs- und Bergungsaktivitäten läuft, bleibt meinem Blick verborgen.

Aber in meinem Bewusstsein ist mir klar, dass dort, wenige Meter weiter, viele Menschen nach den beiden Vermissten suchen. Ich denke daran, dass dort diese zwei Menschen unter den Trümmern verschüttet sind, dass es ein Wunder wäre, sie noch lebend zu bergen. Nachdenklich und bedrückt bleibe ich einige Minuten an diesem Ort, den Blick immer auf den Trümmerhaufen gerichtet. Einer Frau neben mit geht es ähnlich. Jeder von uns ist still und in Gedanken versunken.

In die Südstadt bin ich gefahren, nachdem ich an der Kundgebung „Frauenrechte statt Scharia! Aufklären statt verschleiern!“ des „Zentralrats der Ex-Muslime“, dem „Verein für Aufklärung und Freiheit“ und des „Internationalen Komitees gegen Steinigung und Todesstrafe“ zum Internationalen Frauentag auf dem Wallraffplatz teilgenommen habe. Die Kernkritik der Veranstalter richtet sich gegen Menschenrechtsverletzungen, welche zunehmend durch das Vorrücken der patriarchalischen Herrschaftskultur des politischen Islams in Deutschland und Europa verursacht werden.

Kundgebung zum  Intern. Frauentag, Wallraffplatz, Köln

Kundgebung zum Intern. Frauentag, Wallraffplatz, Köln

„Steinigung“, dieses Wort komm mir nun auch angesichts des Kölner Trümmerberges in den Sinn, in dem zwei Menschen verschüttet sind. Grausam dieses Unglück, grausam dieser fanatische Umgang einer islamistischen theokratischen Herrscherelite in einigen islamischen Ländern gegenüber Menschen, die sich von den unmenschlichen Regeln und Vorschriften dieser menschenverachtenden Kultur lösen und anders leben wollen. Steinigungen als Strafe zur Wiederherstellung einer fragwürdigen Ehre geschehen auch heute noch gegenüber Frauen, auch gegenüber Lesben und Schwulen, z.B. im Iran und Irak. Auch das macht mich sehr betroffen.

Und gerade eben ruft ein Freund aus den Niederlanden an, der bei „Poz and Proud“ mitmacht, der Selbsthilfe schwuler Männer mit HIV, und meinen Gastbeitrag über „Das P von Proud“ für deren Blog übersetzt und eine Rückfrage hat. Ich lese mir dazu meinen Text noch einmal durch und stolpere über das Wort „Trümmerfeld“, mit dem ich meine Gefühlslage nach der Mitteilung meiner HIV-Diagnose 1990 beschreibe. Meinen Gastbeitrag hatte ich schon am 28.Februar geschrieben, also VOR dem Unglück in Köln, und jetzt rührt das Trümmerfeld des versunkenen Stadtarchivs hier vor mir auch an meine Lebensstimmung von damals.

Schutthaufen, Steinigungen und ein Trümmerfeld –  so viele Anknüpfungen an Themen und Ereignisse, mit denen sich das Unglück von Köln mit meinem Leben verwebt.

Das Leben ist kostbar. Schätzen und schützen wir es! Überall!

***

Lies auch meinen Beitrag vom 6.3.: „Ich war noch niemals … im Kölner Stadtarchiv


Ich war noch niemals … im Kölner Stadtarchiv (akt.)

März 6, 2009

Nun ist es wech, im U-Bahn-Loch, das alte Kölner Stadtarchiv in der Südstadt. Die Katastrophe vom 3. März 2009 erschüttert viele Menschen. Plötzlich reden alle über dieses unser Stadtarchiv. Aber wer war denn wirklich schon einmal dort? Ich nicht.

Das eingestürzte Stadtarchiv am 3.3.09 (Foto WDR)

Das eingestürzte Stadtarchiv am 3.3.09 (Foto WDR)

Blogger Tiberius beschreibt sehr plastisch, wie er von den MitarbeiterInnen des Kölner Stadtarchivs als interessierter Besucher  willkommen geheissen und bezüglich seiner historischen Interessen unterstützt wurde.

Ich bin nie im Stadtarchiv gewesen. Trotzdem ist mir der immense kulturelle Schaden des Zusammenbruchs – das Wort „Einsturz“ wirkt mir zu banal / da ist wirklich ein „Bruch“ geschehen – des Kölner Stadtarchivs augenblicklich bewusst. Und ich erlebe, wie viele andere, Bestürzung über dieses Unglück. Ein Freund nennt es pointiert „Den Einsturz der Kölner Geschichte„.

Seit 11 Jahren wohne ich in Köln. Die Stadthistorie ist mir in Grundzügen bekannt. Ein paar Bücher dazu stehen im Regal. Einige Male hatte ich mir auch aus der Stadtbibliothek Bücher zur Geschichte der Stadt Köln ausgeliehen, weil mich diese Geschichte einfach interessiert. Besonders interessierte mich die Geschichte und Entwicklung meines „Veedels“, meines Stadtviertels. Dazu fand sich in den Büchern, die ich entdeckte, zu wenig, um meinen Wissensdurst zu stillen.

Jetzt wird mir bewusst: Da gibt es doch das Stadtarchiv! Da hätte ich mehr erfahren können! Aber: Was passiert eigentlich in einem Stadtarchiv?  Für wen ist es da? Ist es wirklich für jeden Bürger offen, oder nur für Fachpersonen wie Historiker, Journalisten, Autoren, Studenten…? Ich bin nie auf die Idee gekommen, das Stadtarchiv zu besuchen. Es war einfach nicht in meinem Blickfeld. Jetzt, wo es weg ist, sehe ich es.

Stadtarchive gibt es in jeder Stadt. Vielleicht wird es nun vielen Menschen im Land bewusst, dass ihre Stadt auch eines hat und das es lohnen könnte, einmal zum Stadtarchiv zu gehen.

Viele spekulieren in diesen Tagen darüber, wie es zu dem Unglück in der Kölner Südstadt kommen konnte, wo das menschliche Versagen liegt, bei wem die Verantwortung zu suchen ist und was an Sicherheitsmaßnahmen zur Vermeidung des Unglücks unterlassen wurde. Die Aufklärung all dessen ist wichtig, aber diesen Job hat nun die Staatsanwaltschaft übernommen und dort gehört er auch hin.

Hauseigentümer, die in den zurückliegenden Jahren durch den U-Bahn-Bau teils massive Schäden an ihren Häusern erlitten haben und deren Entschädigung und Mängelbeseitigung durch KVB und Stadtverwaltung nachdem was mir zu Ohren gekommen ist, unzureichend, unwillig und hinhaltend erfolgte, bekommen nun im Sog des Zusammenbruchs des Stadtarchives endlich eine Lobby, ihre Ansprüche auf angemessene und ausreichende Entschädigungen und Hilfen zur Restauration der entstandenen Schäden besser durchsetzen zu können.

Aber auch die Historiker und MitarbeiterInnen des Stadtarchivs werden eine breite neue Wertschätzung ihrer Arbeit gegenüber erfahren.

Auch wenn es jetzt untergegangen  ist, so ist das Stadtarchiv gleichzeitig im Bewusstsein der Kölner Bürger auferstanden.

Nachtrag 6.3.09:

Auch bei der im Bau befindliche neue  U-Bahn-Strecke in Amsterdam, ebenfalls eine neue Nord-Süd-Verbindung, kam es im Juni und auch im September 2008 durch Erdbewegungen und Wassereinbrüche zu gravierenden Schäden an historischen Gebäuden und Einstürze ganzer Häuser. In vielen Städten entstanden und entstehen weltweit neue U-Bahnen und wie es bei technischen Großprojekten nun einmal ist, kommen trotz Einsatz modernster Technik und Sicherheitsstandards immer wieder Unglücke und Rückschläge vor. Dass  ein U-Bahn-Bau nie ohne Risiken ist, weiss man vorher, wenn man die Entscheidung für ein derartiges Bauvorhaben trifft.

Kabarettisten Jürgen Becker und Didi Jünemann plaudern in ihrer freitäglichen WDR-Frühstückspause gewohnt frech über das Ereignis, wie Köln „1000 Jahre Stadtgeschichte zu Pappmasche gepresst“ hat. (noch bis zum 13.3. auf wdr2.de gepodcasted anzuhören.)

Der WDR hat eine ständig um neue audio- und Video-Beiträge ergänzte Berichte-Übersicht ins Netz gestellt.

Nachtrag 7.3.:

Der Kölner Stadtanzeiger (KSta) berichtet: Es waren Bauarbeiter, die geistesgegenwärtig die Räumung des Stadtarchivs vor dem Einsturz veranlassten. „Fünf meiner Mitarbeiter waren unten. Sie merkten plötzlich, dass etwas nicht so war, wie es sein sollte“, sagte des Geschäftsführer des beauftragten Bauunternehmens. Die Arbeiter hatten die Bodenbewegungen und eindringendes Wasser festgestellt.

Hier mein neuer Blogbeitrag zum Kölner Stadtarchiv: „Trümmerfeld, Schuttberge und Steinigungen – Nachdenkliches…

Nachtrag 10.3.:

Im Kölner Stadtanzeiger berichten erstmals die Bauarbeiter von den Minuten des Einsturzes: „…als sie plötzlich nasse Füße bekommen. Schlamm, Kies und jede Menge Wasser schießen durch eine Betonschlitzwand in die gigantische Grube. „Der Druck war ungeheuer groß“, berichtet Lutz G. Die Männer wissen nicht genau, was das zu bedeuten hat, aber sie ahnen, dass gleich etwas Schlimmes geschehen wird. „Es war jedenfalls sofort klar, dass irgendetwas nicht stimmt“, erinnert sich G. „Raus! Raus hier! Alle raus! …“


Riesenpenis verkauft Viagra

Februar 18, 2009

„Hello my friend! You wonna have best sex in your life? You wonna have strongest erection?I guarantee you 100% Quality …“

Das Outfit wäre doch eine nette  Ausstaffierung für den rheinischen Karneval – oder auch eine hübsche Idee für die HIV-Präventionisten in der CSD-Parade 2009 in Köln.

So als kleine dezente autonome Fussgruppe, die sich unbemerkt in die Parade hineinschmuggelt.

Könnte man prima aufklären über Wechselwirkungen von Viagra & Co mit HIV-Medikamenten…und könnte Extasy und den ganzen Bauchladen der aktuellen Partydrogen gleich dranhängen…

Wo man wohl so ein Riesenpenis-Outfit herbekommen kann??? Wer weiss Rat??