5 Jahre nach EKAF: tagesschau.de meldet „… Sie stecken niemanden mehr an.“

Mai 20, 2013

Am 30.1.2008 veröffentlichte die Eidgenössische Kommission für AIDS-Fragen (EKAF) in der Schweiz eine Stellungnahme, dass unter wirksamer Therapie HIV-Positive beim Sex nicht mehr infektiös sind.

Heute erinnert ARD-Korrespondentin Sabrina Fritz auf tagesschau.de an die erste Publikation über die Identifizierung des HIV im Wissenschaftsmagazin „Science“  am 20.5.1983 und sie weist auf die  Therapiefortschritte in den zurückliegenden 30 Jahren hin. Dabei informiert sie auch wie folgt:

„Die Behandlung von HIV-Infizierten hat in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. In kaum eine andere Forschung ist aber auch so viel Geld geflossen. Patienten können heute so behandelt werden, dass in ihrem Blut das HI-Virus so gut wie nicht mehr vorhanden ist. Damit können sie ein fast normales Leben führen und was ebenso wichtig ist: Sie stecken niemanden mehr an.“

In der ersten Zeit nach Veröffentlichung der EKAF-Stellungnahme wurde die Bedeutung des Inhalts der Stellungnahme von vielen Seiten klein geredet. Tenor war: Nicht mehr ansteckend?, Das darf man doch nicht laut sagen…

HIV-positive Aktivisten und Blogger jedoch forderten schon 2008, laut und offensiv über diese Therapiefortschritte zu informieren. Sie kritisierten es als undemokratisch, Informationen zurückzuhalten. Es galt, die in der HIV-Prävention bewährte Lernstrategie auch in der neuen Situation fortzusetzen.

Die Verunsicherung in den Aidshilfen und in der HIV-Fachwelt war 2008 groß. Die Welt schien auf den Kopf gestellt. Von der oft beschworenen Solidarität mit Menschen mit HIV war lange nichts zu spüren. Erst 2009 veröffentlichte die Deutsche AIDS-Hilfe ein Positionspapier, das die Relevanz der EKAF-Stellungnahme anerkannte und vertiefte. Inzwischen informiert auch die bundesweite Kampagne zum Welt-AIDS-Tag über die Nichtinfektiosität unter wirksamer Therapie. Im März 2013 schloss sich auch die DAGNÄ (Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter) im Rahmen einer Stellungnahme an.

Auch die Medien in Deutschland schwiegen und es dauerte lange, bis die Information der Nichtinfektiosität unter wirksamer Therapie ein Thema in der Berichterstattung wurde.

So „laut“ ausgesprochen wie heute auf tagesschau.de habe ich es in dem bekanntesten deutschen Nachrichtenprogramm allerdings noch nicht wahrgenommen. Lang hat es gedauert, bis nun auch tagesschau.de Klartext redet. Auf Fortsetzungen darf man gespannt sein.

Weitere Informationen hier als FAQ’s zum Schutz durch Therapie oder ausführlicher in der Broschüre „HIV-Infektion und Therapie 2013


50/2010 – Bundesweite Studie zum „älter werden mit HIV“ geht an den Start

September 23, 2008

Nach der US-amerikanischen Studie ROAH über die Situation von älteren Menschen mit HIV beginnt nun auch eine erste deutsche Untersuchung zu den gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen der HIV-Infektion auf Menschen über 50 Jahren. Die Münchner Ärzte Eva Wolf und Hans Jäger informieren über die jetzt begonnene und unter der Bezeichnung 50/2010 laufende DAGNÄ-Studie in einem Beitrag in der September-Ausgabe von „HIV&more“.

40 bundesweit verteilte Schwerpunktpraxen und Ambulanzen werden über 2 Jahre (bis 2010) Daten zur Gesundheit von über 50-jährigen HIV-Positiven aufnehmen. Eine Forschung in diesem Bereich wird dringend nötig, denn „innerhalb der nächsten 5-10 Jahre werden über die Hälfte der HIV-Patienten über 50 Jahre alt sein“.

Berichtet wird, dass in der bundesweiten Kohorte des Kompetenznetzes HIV/AIDS, in das Daten von 9258 HIV-Positiven einfliessen, aktuell der Anteil der 50- bis 59-jährigen Patienten 15.9% beträgt und der Anteil der über 59-jährigen Patienten bei 9.6% liegt.

Wolf und Jäger berichten, dass der Schwerpunkt der 50/2010-Studie bei den „Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Malignomen, dem metabolischen Syndrom und weiteren Ko-Erkrankungen, sowie psycho-sozialen Aspekten und Lebensqualität“ liegt.

Verglichen werden 3 Gruppen von Menschen, die älter als 50 Jahre sind:

  • 250 HIV-Positive
  • 250 HIV-Negative mit Diabetes mellitus II
  • 250 Patienten ohne bekannte schwere chronische Erkankung

In dem Beitrag in HIV&more werden in einer Auswahl vorgestellt:

  • wichtigste Fragestellungen
  • Mitglieder der Kerngruppe (mit Namen und Ortsangabe)
  • wesentliche Variablen des Dokumentationsbogens

An psychosozialen Fragestellungen wird in einer Auswahl benannt:

  • Ist die körperliche Aktivität in den drei Gruppen unterschiedlich?
  • Ist das sexuelle Verhalten in den drei Gruppen unterschiedlich?
  • Ist der Sozialstatus in den drei Gruppen unterschiedlich, d.h. leben chronisch erkrankte Personen häufiger allein, sind früher im Ruhestand oder häufiger arbeitslos?

Zu der Kerngruppe der Studie gehören Schwerpunktpraxen in Aachen, Berlin, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Karlsruhe und München. Die Steuerung der Studie liegt bei der Geschäftstelle der DAGNÄ in Aachen.

Die Endauswertung der Studie ist für das 3. Quartal 2010 vorgesehen.

Der Beginn dieser Studie ist sehr zu begrüßen. Offen bleibt für mich die Frage, ob beim Studiendesign Menschen mit HIV beteiligt waren. Begrüssenswert ist, dass auch erste psychosoziale Fragestellungen behandelt werden. Bis zur Endauswertung 2010 sollte man allerdings nicht warten, besonders zur sozialen Lebenssituation von älteren Menschen mit HIV Erkenntnisse über die Selbsthilfestrukturen und Beratungsstellen etc. Erfahrungen zusammenzuführen. Beim Kongress „HIV im Dialog“ am13. September in Berlin waren zwei Podiumsdiskussionen zum Thema „HIV und Alter“ sehr gut besucht. Auch bei den „Positiven Begegnungen“, der Konferenz zum Leben mit HIV und AIDS Ende Januar 2009 in Stuttgart wird „alt werden mit HIV“ erneut Schwerpunktthema sein.

Nachtrag  31.10.08: In dieser Power-Point Präsentation stellt Dr. Knechten / Aachen die 50/2010 Studie vor.