Safer Sex: Nach Absprache

Juni 6, 2009

Kürzlich wurde ich auf meinem schwulen Internetprofil von einem User angeflirtet, der ebenso wie ich in seinem Profil unter Safer Sex: „nach Absprache“ vermerkt hatte. Ich gebe hier unkommentiert den anonymisierten Chatverlauf wieder:

A. piggy kerl

B: lach, selber ja auch!

A: grinz, freu

B: was treibt dich dazu, mich frischen fünfziger anzuchatten mit 31 ? bin neugierig und frag halt direkt!

A: mag erfahrene barebacker

B: und bist du selber auch HIV+ ??

A: bin ungetestet

B: naja, klar, so kann mans auch halten. ich weiss von meinem hiv seit 19 jahren. wie gehste denn damit um, wenn du bare ficken willst und da sagt dir dann jemand: ich bin positiv?

A: is mir dann egal

B: fällt mir schwer zu verstehen. du bist der erste, der mir das so frank und frei sagt.

A: bin auch nich stolz drauf

B: mir fällt es schwer zu verstehen, dass es jemandem egal ist, ob er hiv hat oder nicht. klar ist sex ohne gummi geiler, aber is es dir diesen scheiss hiv wert?

A: egal, is vieelleicht der falsche ausdruck,aber ich verdränge es irgend wie

B: da machst du es dir leichter als ich. ich mag die vorstellung nicht, beim sex jemanden anzustecken. DANN bin ich nicht frei im kopp und hab keinen spass dabei, egal wie scharf der andere ist…

A: versteh ich gut

B: ja und wat machst DU dann?

A: dann mit gummi

B: mann bist du ein harter brocken! – ich aber auch *grins*

A: denkst jetzt bestimmt, ich bin ein egoistisches arschloch

B: nee, ich kenn dich nicht und be- oder verurteile dich nicht. weiss nicht… denke: ist der dumm, sich so zu verhalten… und auch: Neid, dass du die lust nicht einschränken lassen willst… – irgendwie beides

A: es is eher dumm, ich gebs zu

B: ja und wat nu mit der erkenntnis?? da haste den salat, wolltest ja mit nem erfahrenen barebacker ins geschäft kommen *lach*

A: schäm mich jetzt

B: warum?

A: weil ich son arsch bin

B: versteh ich nich

B: hab ich dir jetzt die nacht versaut?

A: nee, nee

B: hey, ich hau mich jetzt in die falle. bin gespannt, ob ich noch was von dir hören werde – bye n8

A: schlaf gut – bis denne

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HIV-Prävention in der Schwulensauna

September 21, 2008

„Therapie statt Safer-Sex – Wie verändert der medizinische Fortschritt die HIV-Prävention und das Safer-Sex-Verhalten?“, darum ging es beim Talk zum Welt-AIDS-Tag in Wuppertals Männersauna Theo’s Sauna Club am 1. Dezember 2007.

Seit vielen Jahren zählt der Talk in Theo’s Sauna zu den traditionellen Veranstaltungen am Welt-AIDS-Tag in Wuppertal. Meist sehr lebhaft diskutiere ich mit den Saunagästen zwischen Tresen und Kaminfeuer über aktuelle Themen rund um HIV und schwule Gesundheit und informiere über den aktuellen Wissensstand. Danke an Saunabetreiber Theo und Klaus für ihren Beitrag, mit unserem alljährlichen Sauna-Talk das Thema HIV im Bewußtsein aller wach zu halten!

Dieses Jahr stelle ich in meinem kleinen Einführungsvortrag die Einflüsse der medizinischen Entwicklung auf das Safer-Sex-Denken in den Vordergrund:

Durch die immer weiter sich verbessernde Behandelbarkeit wird HIV und AIDS von vielen nicht mehr als so bedrohlich erlebt. Die Erfahrungen des zahlreichen Sterbens vieler Freunde an AIDS in den 80er und 90er Jahren ist in den Lebensgeschichten vieler älterer schwuler Männer tief eingebrannt. Safer Sex, also sich zu schützen und Kondome zu benutzen, ist für diese Generation eine Selbstverständlichkeit. Dass AIDS heute von der jüngeren Generation, in der Zeit der dauerhaft wirkenden HIV-Medikamente, als weniger bedrohlich erlebt wird, löst oft Unverständnis und Kopfschütteln aus, dass die alte Selbstverständlichkeit heute nicht mehr zu gelten scheint, auch Zorn.

Tatsache ist, dass viele junge, aber durchaus auch ältere Schwule sehr spitzfindig darin sind, Wege zu überlegen, sich vor HIV schützen aber doch auf das ungeliebte Kondom verzichten zu wollen. Die neuen Behandlungsmöglichkeiten werde da natürlich mit in die Strategien eingebaut.

Da wird nun also spekuliert, dass ein Positiver nicht mehr HIV übertragen könne, wenn er die Medikamente einnimmt und dadurch weniger HIV (nicht-nachweisbare Viruslast) in Blut und Sperma hat. Oder dass die Post-Exposition-Prophylaxe (PEP), die Einnahme der HIV-Medikamente für 1 Monat nach einem ungeschützten Sex doch eine HIV-Ansteckung noch verhindern könne. Oder dass die gezielte Einnahme der HIV-Medikamente VOR einem bewußt gewollten Sex ohne Kondom ein Schutz vor HIV sein könne.

Was ist da dran? Stimmt das alles und welche Risiken bleiben, HIV zu bekommen? Stoff genug für einen heissen Diskussionsabend.

Unterm Strich, so meine Bewertung, sind diese Überlegungen nicht geeignet, auf ein Kondom zu verzichten um wirkungsvoll und sicher eine HIV-Infektion zu vermeiden. Als HIV-Negativer Medikamente statt eines Kondoms zu nehmen, ist arg gewagt, teuer und sollte nicht die „erste Wahl“ für den eigenen Schutz sein.

Spannend bleibt aber die große Frage, wie infektiös ein HIV-Positiver, dessen Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, tatsächlich ist. Dieses Thema wird garantiert in den nächsten Monaten und Jahren heiss diskutiert und weiter erforscht werden. Denn Fakt ist schon heute, dass eine niedrige oder nicht mehr nachweisbare Viruslast die Infektiosität des HIV-Positiven sehr stark senkt. Das ist eine sehr gute Nachricht gerade für Partnerschaften, in denen ein Partner HIV-negativ, der andere HIV-positiv ist. Denn gerade hier ist Sexualität meistens sehr belastet durch die Angst und Sorge vor einer Übertragung von HIV.

Mir ist es wichtig, dass diese offene Frage: Wie groß ist die Übertragbarkeit / das Ansteckungsrisiko bei einem mit HIV-Medikamenten behandelten Menschen? offensiv diskutiert wird. Nur so kann ich als Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Fehlinterpretationen vorbeugen.

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Dieser Beitrag wurde erstmals von mir gepostet am 3.12.2007 im damals bestehenden Blog der Kampagnenseite www.welt-aids-tag.de. Leider wurde der Blogbereich dort im Juli 2008 komplett abgeschaltet. Auf vielfachen Wunsch mache ich meine alten Beiträge hier wieder zugänglich.


„Ich bin meine eigene Kampagne!“

September 21, 2008

Haben die öffentlichen AIDS-Kampagnen überhaupt noch eine Wirkung? Welches Bild von AIDS gibt es heute in der Gesellschaft? „Ich hätte gerne ein klares Bild von AIDS in der Gesellschaft, das ALLE Facetten des Lebens mit HIV zeigt“, sagte ein Teilnehmer des 123. Bundesweiten Positiventreffens, das gerade vom 14.-18. November in der Akademie Waldschlösschen stattfindet.

Dort bin ich gerade. 1991 hatte ich an meinem ersten Positiventreffen teilgenommen, Seitdem war ich oft hier. Zu den bundesweiten Positiventreffen kommen 6 Mal im Jahr jeweils etwa 60 Menschen mit HIV aus ganz Deutschland zusammen. Viele sind wie ich schon oft hier gewesen, dieses Mal sind 12 von ihnen zum ersten Mal dabei. Auf den Treffen werden soziale, politische und medizinische Fragen und Themen diskutiert, die im Leben mit HIV eine Rolle spielen. Freundschaften entstehen hier, Vernetzung und Erfahrungsaustausch findet statt und viele, die an ihrem Wohnort mit HIV alleine sind, erfahren hier eine unterstützende Gemeinschaft.

Ein Workshop heute morgen beschäftigte sich mit dem Thema:

  • Welche Gesichter hat AIDS 2007?
  • Müssen HIV-Positive wieder stärker sichtbar werden, damit AIDS wieder mehr öffentliches Thema wird?

Die Plakatkampagnen und Anzeigen der AIDS-Hilfen und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) finden wir HIV-Positiven zu schwach und wenig eindeutig.

Mit unserem eigenen offenen Auftreten mit HIV erreicht wir viel mehr. „In meiner Familie bin ICH die Kampagne“, so drückt es Udo aus. Eltern, Geschwister und deren Kinder wissen seit vielen Jahren von seiner HIV-Infektion. Da gibt es von beiden Seiten keine Befangenheiten.

„Am Anfang dachten alle: Naja, der macht es nicht mehr lang.“ Das ist jetzt viele Jahre her. Auch sein Freundeskreis weiß um seine HIV-Infektion und hat ihn in Höhen und Tiefen begleitet. Nur am Arbeitsplatz ist Udo nicht mit HIV geoutet. Da befürchtet er Nachteile und Probleme. Sieht er bei schwulen Freunden häufige Partnerwechsel und intensives Sexleben, haut er sie auf Safer Sex und HIV an. Mit seinem offenen Auftreten hat er schon viele zum Nachdenken gebracht, die HIV gerne verdrängen würden. Manchmal rät er auch offensiv zu einem HIV-Test. Und wenn es nötig ist, begleitet er Freunde auch zum Test.

„Jetzt wieder ne Perspektive zu haben und auch doch wieder keine zu haben, – das macht mir tierisch zu schaffen. Denn morgen kanns ja doch schon vorbei sein“, so erlebt er HIV im Jahr 2007.

Ganz anders ist es bei Klaus: „Mich in der Familie und bei Freunden und Freundinnen als schwul zu outen, das war gar keine Frage. Aber bei HIV jetzt habe ich Probleme damit, da geht das irgendwie nicht. Da will ich den Kreis so klein wie möglich halten. Da kriege ich das Outing nicht hin.“ Was da in seiner Seele eigentlich abgeht, versteht er selber nicht. „Ich sehe mich nach wie vor als Marsmenschen.“ Zum Ende unserer Diskussion sagt er: “Ich bin bereit, gefragt zu werden, aber ich würde mit HIV nicht aktiv nach außen gehen.“

René lebt mit Anfang 40 als Rentner in einem Dorf in der Provinz. Viele Jahre hatte er engagiert in einer Großstadt die landesweite Selbsthilfe von Menschen mit HIV koordiniert, stand in der Öffentlichkeit und war sehr aktiv. Heute gehört er zum Organisationsteam der bundesweiten Positiventreffen hier im Waldschlösschen.

In seinem Dorf hatte er einmal seine Nachbarschaft zusammen mit seinem Freundeskreis zu einem großen Fest eingeladen. Da wurde auch HIV und Pillen nehmen nicht versteckt. „Alle wissen, dass ich HIV-positiv bin, aber wenn die im Dorf Fragen zu HIV haben, holen sie sich die Infos woanders her. Das finde ich auch gut so. Ich will nicht der große sexuelle Aufklärer für Übertragungswege sein, aber zum Leben mit HIV kann man mich ansprechen. Ich glaube schon, dass ich für die Leute im Dorf prägend für ihr Bild von AIDS bin.“

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Dieser Beitrag wurde erstmals von mir gepostet am 15.11.2007 im damals bestehenden Blog der Kampagnenseite www.welt-aids-tag.de. Leider wurde der Blogbereich dort im Juli 2008 komplett abgeschaltet. Auf vielfachen Wunsch mache ich meine alten Beiträge hier wieder zugänglich.


Männer, emanzipieren wir uns!

September 21, 2008

Männer, emanpizieren wir uns! Heute einmal von mir ein Aufruf an meine Geschlechtsgenossen. Wer hat uns nur den Wahn in den Kopf gepflanzt, immer perfekt und stark sein zu müssen, keine Schwächen zu zeigen, alles wissen zu müssen, immer sexuell „leistungs“-bereit zu sein, eben hart wie Krupp-Stahl, dafür eben aber empfindungs- und schmerzlos und HIV-empfänglich!

Emanzipieren wir uns von dieser Fremdbestimmung! Welchen Wahnsinn an Anspruch haben wir an uns selber! Kaum brauchen wir einmal Hilfe, haben wir Angst, fragen um Rat, kommen alleine nicht weiter, oder brauchen einfach mal ein offenes Ohr für das, was uns bedrückt, überfällt uns blanke Scham, was wir denn für ein Bild gegenüber unseren Geschlechtsgenossen abgeben. Ja haben wir denn noch alle intelligenten Tassen im Schrank???

Hat eine Männlichkeit der Menschlichkeit nicht einen viel überzeugenderen Charme und nicht sogar eine eigene Erotik? Wie anders soll Solidarität entstehen, die wir auch gerade bezogen auf HIV brauchen, wenn wir uns nicht als real-empfindende Männen zeigen?

Ist es denn ein tatsächliches No-Go beim Kennenlernen, auch mal souverän auf HIV/AIDS, unsere Erlebnisse und Erfahrungen mit HIV zu sprechen zu kommen? OK, es muss ja nicht beim ersten Glas Kölsch sein! Aber wer zeigt, dass mann an einem lebendigen Gegenüber wirklich interessiert ist – und da darf doch Sex und HIV nicht tabuisiert sein – dem gebührt doch mehr Anerkennung als den Vogel-Strauss-Vertretern, die den Kopf in den Sand stecken und nichts sehen, hören, wissen wollen.

Wer HIV ignoriert, verliert. Nicht nur Kondome schützen, oft ist es auch schon sehr wirksam, das eigene Sprachvermögen einzusetzen.

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Dieser Beitrag wurde erstmals von mir gepostet am 23.10.2007 im damals bestehenden Blog der Kampagnenseite www.welt-aids-tag.de. Leider wurde der Blogbereich dort im Juli 2008 komplett abgeschaltet. Auf vielfachen Wunsch mache ich meine alten Beiträge hier wieder zugänglich.