Ich will HIV nicht zum Tabuthema machen… (akt.)

… schreibt Marcel, ein 20-jähriger Mann mit HIV in seinem im November 2009 gestarteten Blog. Hier sein Statement in seinem youtube- Video.

Er hat gute Gründe, warum er über sein Leben mit HIV blogt:

… und auch, weil viele nicht so offen wie ich über HIV sprechen würden, fragen mich die Leute immer wieder, warum ich über HIV blogge oder warum ich im normalem Leben so offen damit umgehe… Die Antwort ist nicht ganz leicht, weil dieses „Outing“ auch mit vielen negativen Dingen verbunden ist, wo man bereit sein muss, diese anzunehmen… auf der anderen Seite gibt es einige Gründe dafür:

1. Ich will das ganze nicht zum Tabuthema machen! Grade so ein Thema wie HIV kommt am Ende doch irgendwann bei jedem an und dann tuscheln die Leute… wenn man aber offen damit umgeht, dann kommen sie eher auf einen zu und stellen Fragen! Und Fragen sind natürlich gut… sie bauen Ängste ab und klären gleichzeitig auf.

2. Kann man eine Art Vorbildfunktion sein, denn es gibt nur sehr wenige junge Menschen die offen darüber reden, dass sie mit HIV infiziert sind! Es ist schwer in jungen Jahren zu begreifen, dass Menschen einfach so wegsterben können, das Leid einfach über jemanden hinein brechen kann! Und es ist schwer mit einem Todesvirus zu leben, obwohl man noch viel vor hat und viel erleben will. Deswegen soll das offene sprechen über HIV zeigen, dass die Hoffnung nicht sterben darf und nicht sterben muss!

3. Es gibt viele Menschen die nach der Diagnose aufgeben, die keine Therapie machen, weil sie keinen Sinn mehr darin sehen zu leben! Das soll all denen die still stehen und auf den Tod warten Hoffnung geben!!!

Ich habe keine Lust mich zu verstecken, sehe keinen Sinn darin mich zu verstecken, muss mich nicht verstecken und werde mich nicht verstecken! Egal ob die Menschen, die von meiner Infektion erfahren denken sie wüssten damit alles über mich! Sie denken sie könnten sich ein Urteil bilden und sie denken ich habe etwas unmoralisches getan und mich dadurch angsteckt! Sie behaupten ich hatte oft wechselnde Sexualpartner und mit jedem Sex ohne Gummi und bräuchte mich dann ja nicht über diese Diagnose wundern!!!
Aber das lustigste daran ist: Sie haben keinen blassen Schimmer! Sie denken nicht darüber nach, dass es sein kann, dass man nur einmal an eine falsche Person geraten muss und schon hat man ein Accessoir für das ganze Leben… den HI-Virus! Das hat nichts mit einem unmoralischem Lebensstil zu tun, sondern manchmal einfach mit Pech! Mehr nicht! Und es kann jeden treffen! HIV macht keinen Halt vor einer Hautfarbe, einem Geschlecht, einem bestimmtem Alter, einer sexuellen Orientierung, einer Religion, einem Glauben, der finanziellen Stellung oder einer Nationalität… HIV ist überall… Daher sollte niemand den Mund zu voll nehmen, denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall!

Generell gilt mein Motto „Selbstbewusstsein ist das beste Accessoir“ wenn man sich outet! Egal ob es sich um HIV, eine andere Krankheit oder sonstwas handelt! Erst wenn man sich selber akzeptiert, sollte man diesen Schritt gehen, denn erst dann ist man dem Druck gewachsen, der auf einen zukommen kann und erst dann können auch andere einen selber akzeptieren… Ein Outing sollte immer gut durchdacht sein! Was passiert, wenn? Es können so viele Sachen dadurch passieren oder so viele Situationen auf einen zukommen, mit denen man vorher nicht rechnet!

Wer das eigene Denken aufgibt, mit dem ist es aus! Wer sich nicht traut, mit dem ist es aus! Wer die Kraft in sich nicht erweckt, mit dem ist es aus!

Hier der link zu Marcels Blog.

2 Antworten zu Ich will HIV nicht zum Tabuthema machen… (akt.)

  1. Marcel sagt:

    Hallo Termabox!
    Danke für deine Werbung, das freut mich sehr!!!
    Wie ich auch schon auf meiner Seite in einem Kommentar geschrieben habe, hat auch unter anderem dein Blog mich dazu bewegt selber einen zu schreiben!
    Vielen Dan dafür!

    Lg aus Essen

  2. termabox sagt:

    Hallo back,

    so ein feed-back zu bekommen wie dieses von dir, das ehrt mich aber. Danke. Als Blogger schreibt man oft ins große weite Niemandsland und man bekommt selten mit, was die geposteten Gedanken bei anderen bewirken.

    Und es tut auch gut zu sehen, dass eine neue Generation mit neuem starken Lebenswillen und Optimismus das nutzt und weiterführt, was ich und andere auf den Weg gebracht haben. Ich bin 50 und du bist 20.

    Als ich 1990 meine HIV-Diagnose bekam, habe ich auch schon das nutzen können, was engagierte Schwule und Menschen mit HIV an Aufklärungsarbeit, Aufbau von Beratungs- und Vesorgungsstrukturen und Konzepten für Empowerment im Leben mit HIV schon auf den Weg gebracht hatten. Ich hatte es daher einfacher als die HIV-Positiven, die ganz am Anfang, 1984/85 ihre Diagnose bekamen.

    Die Situation heute ist ja eine ganz andere als die von 1990. Es gibt Therapien, die sowohl Lebenserwartung enorm erweitern als auch die Infektiosität massiv einschränken können. Da ist der Horizont nicht mehr so pechschwarz wie er damals auf mich wirkte.

    Ich finde es spannend, mitzuerleben und mitzuverfolgen, wie Menschen heute mit einer HIV-Diagnose umgehen.

    Deine Normalität und Selbstverständlichkeit – bei allem vermutlich auch dagewesenen Herzklopfen – sich auch am Arbeitsplatz mit HIV zu outen, haut mich um und beeindruckt mich stark. Du lebst das ja schon, was wir gerade mit dem verstärkten und offensiven Engagement zum Abbau des Stigmas um HIV bundesweit auf den Weg bringen!

    Wow!!

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