Leben mit HIV und Aids heute

Ein ausserordentlich wertvoller Fachbeitrag zieht eine kompakte Bilanz über die beachtlichen positiven Veränderungen im Leben mit HIV/Aids und über die nach wie vor bestehenden Probleme und Herausforderungen.

HIV und Aids ist ein Thema, dass sich in den letzten Jahren stark gewandelt hat. Vieles hat sich zum Positiven verändert, trotzdem kann die Krankheit nach wie vor sowohl aus medizinischer Sicht als auch bzgl. der sozialen Absicherung eines Menschen mit großen Schwierigkeiten verbunden sein. Die Bilder, die von der Krankheit in den Medien gezeichnet werden, spiegeln die Vielfalt dessen, was eine HIV-Infektion oder Aids-Erkrankung für das Individuum bedeuten kann, nicht wider und vernachlässigen häufig die positiven Entwicklungen. Und dennoch: Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen mit HIV/Aids findet auch in unserer Gesellschaft immer noch statt.

Die Autoren  Stefan Timmermanns und Silke Eggers, beide Mitarbeiter der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH), nehmen eine sehr differenzierte Sicht ein und schreiben zurecht:

Für Beratende in Aidshilfen oder anderen Beratungsstellen stehen die problematische Seite und das persönliche Leiden oft im Mittelpunkt, da der überwiegende Teil ihrer Klienten davon betroffen ist. Das bedeutet aber auch, dass diese Betrachtungsweise eine große Zahl der HIV-Infizierten nicht widerspiegelt. Nämlich diejenigen, die eben keine oder nur geringe Probleme mit ihrer Infektion haben und ihr Leben durchaus als glücklich oder zufrieden beschreiben würden.

Der Fachbeitrag widmet sich darüber hinaus kritisch z.B. den gesellschaftlich vorherrschenden Bildern von HIV und Aids, geht ausführlich auf die gesellschaftlich nach wie vor bestehende Stigmatisierung und Diskriminierung ein – insbesondere mit Folgen für die Erwerbstätigkeit,  und skizziert umfassend Situation und Fragestellungen zur sozialen Sicherung von Menschen mit HIV/Aids.

Die Autoren kommen zu dem Fazit:

Auch 25 Jahre nach der Entdeckung des HI-Virus herrscht großes Unwissen. Die unbegründete Angst vor einer Ansteckung im alltäglichen Kontakt führt immer noch zu Ausgrenzung, Stigmatisierung oder zum Verlust des Arbeitsplatzes. Dies belastet viele Menschen mit HIV/Aids und erschwert es ihnen, offen mit ihrer Infektion umzugehen. Um Menschen mit HIV/Aids vor Diskriminierung effektiver zu schützen, müssen auch sie im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (ADD) berücksichtigt werden. Neben gesetzlichen Änderungen ist die Solidarität eines jeden Einzelnen ein wichtiger Schritt zum Abbau der immer noch stattfindenden Diskriminierung von Menschen mit HIV und Aids.

Die Autoren:

  • Stefan Timmermanns ist Referent für Menschen mit HIV/Aids bei der Deutschen AIDS-Hilfe .
  • Silke Eggers ist Referentin für soziale Sicherung und Pflege bei der Deutschen AIDS-Hilfe.

Der volle Text ihres Fachbeitrages ist hier als pdf nachzulesen.

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3 Antworten zu Leben mit HIV und Aids heute

  1. alivenkickn sagt:

    Tja, wenn man das ließt dann kommt man nicht umhin festzustellen das es noch ne Menge zu tun gibt. konkret heißt es das die defizite wie sie im fazit beider benannt wurden mit der GESELLSCHAFT kommunziert werden müssen – sollten. Und das ist mit Verlaub eine Erkenntnis zu der man schon sehr früh kam. diese evaluierung findet wie viele dieser art wieder mal innerhalb von „fachpersonal“ der personen also deren alltag – beruf es ist. der punkt ist jedoch wie man das was man bemängelt umsetzt, wie man diesen sachverhalt inhaltlich denjenigen kommuniziert die es betrifft.

    wenn man also feststellt das die arbeit nicht die früchte getragen haben die man sich vorgestellt hat, dann wird es einfach mal zeit sich gedanken darüber zu machen WIE – auf welchem WEG man die Gesellschaft erreichen kann.

    was nützen gesetze wenn sie den meisten am verlänerten rückgrat vorbei gehen. papier ist geduldig.

  2. termabox sagt:

    @ alivenkickn:

    Deine Kritik an dem „Fachpersonal“ finde ich sehr unangebracht. Du suchst auf Teufel komm raus das Haar in der Suppe, das es hier gar nicht gibt!

    In dem Fachbeitrag werden doch genau die auf der Konferenz „Positive Begegnung“ in Stuttgart im Januar 2009 herausgefilterten aktuellen Arbeitsaufgaben in eine allgemeine Öffentlichkeit hineingetragen. D.h. in dieser Veröffentlichung werden genau DIE Themen transportiert und weiter bearbeitet, die unter Beteiligung von HIV-Positiven als wichtig und zukunftsweisend benannt wurden.

    Und kaprizier dich nicht auf Details wie das angesprochene ADD, sondern wertschätze doch einfach mal diesen Beitrag im Gesamten als einen der Besten, den es zur Darstellung, was HIV und AIDS heute ist, in letzter Zeit zu lesen war!

    Ich kann ja verstehen, dass jemand der positiv ist, gerne „negativ“ denken möchte. Aber nicht alles ist feindlich und unzureichend, bitte😉

    Statt Gemäkele braucht es hier ein bestärkendes „weiter so“ !

  3. alivenkickn sagt:

    Es ist nun mal leider eine bekannte Tatsache das nach Jahren der Routine eine gewisse Blindheit entsteht. Dies ist in jedem Beruf der Fall.

    Die Fachleute sind sich untereinander darüber im klaren was Sache ist. Und dies ja nicht erst seit Gestern.Der Knackpunkt ist doch der „Wie kann man die Lücke schließen? Oder wie ich es nenne „Bridging the Gap“ – die Kluft zwischen den Fachleuten und deren Wahrnehmung und daraus resultierenden Notwendigkeiten und der Gesellschaft zu überbrücken – schließen mit dem Ziel das die Information nicht nur in der Gesellschaft ankommt sondern auch inhaltlich im Sinne dessen was Fachleuet wissen umgesetzt wird.
    Wenn Du das als Negatives denken bezeichnest dann hast Du etwas nicht verstanden . . oder willst mich nicht verstehen.
    Das mein Lieber Freund versichere Dir ist nicht der Fall. Das Gegenteil ist der Fall den nur er bedingt ein Miteinander ohne Stigmatisierung und Diskriminierung, ein Miteinander auf der Basis gegenseitiger Akzeptanz, Toleranz und Wertschätzung als Mensch mit dem Recht das Jeder nach seiner Facon seelig werden darf.

    Dixit

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