Kämpfen, Leiden und Sterben mit HIV in russischen Gefängnissen

Am 19. Juni 2009 starb der russische HIV-Aktivist Kostya Proletarski an den Folgen seiner HIV und Tuberkulose-Koinfektion. Kostya offenbarte zuvor in einem Interview mit Anya Sarang, Leiterin des russischen Harm-Reduction-Programms, die erschütternden, erschreckenden und menschenverachtende Zustände in den russischen Gefängnissen. Zustände, wie man sie sich von Deutschland aus nicht vorstellen kann und nicht für möglich hält..

Obwohl es Zeit braucht, das ganze Interview – in englischer Sprache veröffentlicht – zu lesen, bitte ich alle Leser und Leserinnen sehr, sich die Mühe zu machen und es ganz zu lesen.

Das komplette Interview findet man hier auf der webside von AIDS ACTION Europe. Anya Sarang leitet ihr Interview mit Kostya mit diesen Worten ein:

Am 20. November 2008 berichtete die russische Zeitung Novie Itzvestia, dass ein Gericht in Karelien [einer Region im Norwesten Russlands] mit einem Urteilsspruch einen Präzedenzfall geschaffen hat, Gefängnisinsassen mit fortgeschrittener AIDS-Erkrankung auf Grund ihres schlechten Gesundheitszustandes vorzeitig aus der Haft zu entlassen. Der Inhaftierte, der das Gerichtsverfahren anstrengte,  hatte überzeugend darlegen können, dass er dringend eine medizinische Behandlung benötigt, die er nur ausserhalb der Haftanstalten bekommen könne. Viele Menschen, die diese Nachricht in der „International Treatment Preparedness Coalition’s Russians listserv (IPTCru)“ lasen, atmeten erleichtert auf: Der Inhaftierte, auf den sich die Meldung bezog, war Kostya Proletarski, ein Sozialarbeiter im harm-reduction-Programm der Humanitarian Action Foundation in St. Petersburg, HIV-Aktivist und ein guter Freund. Am 31. Oktober 2008 wurde Kostya aus Gesundheitsgründen aus der „medical correctional facility No. 4“ in Segezh rayon in Karelien [150 KM südlich des arktischen Polarkreises] entlassen . Seitdem verbrachte Kostya die meiste Zeit im Botkin Krankenhaus in St. Petersburg in dem Versuch, zu behandeln, was einige Jahre in russischen Gefängnissen  seiner Gesundheit an massiven Schäden zugefügt hatte. Ich besuchte ihn im Krankenhaus in St. Petersburg. Sein Bericht über sein Leben in der Kranken-Kolonie der Gefängnisse schmerzte und erschütterte mich und ich bat ihn, diese Erfahrungen aufzuschreiben, aber Kostya schrieb nie mehr als nur kurze Textnachrichten. Deshalb entschied ich mich,  ein Interview mit ihm zu führen und aufzuzeichnen über seine  unvergesslichen Jahren in der Kranken-Kolonie und über das Leben gewöhnlicher Inhaftierter, die mit einer Koinfektion von HIV und Tuberkulose leben.

Hintergründe zu Anya Sarang:

From 1998 Anya Sarang worked for Medecins Sans Frontieres – Holland in Moscow, developing and supporting emerging harm reduction projects in Russia through the training program and networking. From 2001 to 2003 Anya worked for AIDS Foundation East-West (AFEW), which continued the HIV prevention program of MSF and from 2003 worked independently. In 2000, she was elected as a representative of the Russian sub-region to the Steering Committee of the Central and Eastern European Network and in 2003 elected as the Network Coordinator for the term 2003-2006. She is an Honorary Research Associate of the Centre for Research on Drugs and Health Behaviour based at Imperial College, London and is currently involved in IC-based research programme „Knowledge for action in HIV/AIDS in the Russian Federation. She is also a founding member of the Russian Harm Reduction Network.

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