Mehr Spaß am Sex mit kontrollierter Viruslast / be smart about HIV!

Im Juni 1997 erschien in der Zeitschrift San Francisco Frontier eine Anzeige innerhalb einer Informationskampagne, die mich damals während eines Urlaubs tief beeindruckte. Sie hinterließ bei mir eine so große Wirkung, dass ich meine Skepsis gegenüber der HIV-Therapie aufgab und im Januar 1998 mit meiner HIV-Therapie begann.

Die formulierten Aussagen sind tatsächlich eingetroffen. Dort hieß es: „Be smart about HIV. See your doctor about new treatment options. Reducing the amount of Virus may help you live longer.“

be smart about HIV

be smart about HIV

Angepasst auf die heutige Situation, 12 Jahre später, ermöglicht eine wirksame HIV-Therapie mit dauerhaft unterdrückter Viruslast nicht nur ein (noch) längeres Leben. Faktisch ist auch die Infektiosität beseitigt. Daher ist eine ähnlich neue Situation gegeben, die eine neue Informationskampagne erforderlich macht. Die Struktur kann im wesentlichen beibehalten werden:

„Be smart about HIV“ meint in etwa: Sei schlau und intelligent im Umgang mit Deiner HIV-Infektion. Sorge gut für Dich. Nutze die heutigen Möglichkeiten.

„See your doctor about new treatment options“: Geh zum Arzt und informier Dich über neue Behandlungserfolge und Auswirkung auf Dein Sexleben. Informiere Dich, mach Dich fit und up-to-date. Lass dich beraten.

Und nun die auf die heutige Situation bezogene,  auf wirksame Therapie/Viruslast/Infektiosität angepasste neue Botschaft:

New research suggests: Reducing the amount of Virus may help you live Sex more joyful:

„Neue Forschungsergebnisse zeigen: Eine kontrollierte Viruslast kann Dir helfen, wieder mehr Spaß am Sex zu haben“

Wann wird es in Deutschland eine offensive Information zur heutigen Behandlungssituation geben? Damals wie heute ist sehr entscheidend, gut und umfassend zu HIV informiert zu sein. Die Aussagen beschönigen nichts und machen keine falschen Versprechungen. Im Gegenteil, sie machen (HIV-Positive wie HIV-Negative) neugierig und laden ein: Es hat sich etwas getan! Informier Dich! Lass nicht denken und Denke selber!

Sie rufen auf, smart und intelligent zu sein, sie appelieren in Wort und Text an Selbstliebe und Nächstenliebe, an Selbstwertgefühl und Solidarität, ganz im Sinne der Kampagne der DAH für schwule Männer: „Ich weiss, was ich tu!“

Es ist 1 Jahr nach Veröffentlichung der EKAF-Stellungnahme überfällig, endlich deutlicher, mutiger und offensiver zu werden, zum Beispiel mit einer Informationskampagne nach dem Muster von „be smart about HIV“.


6 Antworten zu Mehr Spaß am Sex mit kontrollierter Viruslast / be smart about HIV!

  1. alivenkickn sagt:

    hallo termabox

    „Wann wird es in Deutschland eine offensive Information zur heutigen Behandlungssituation geben? Damals wie heute ist sehr entscheidend, gut und umfassend zu HIV informiert zu sein. Die Aussagen beschönigen nichts und machen keine falschen Versprechungen. Im Gegenteil, sie machen (HIV-Positive wie HIV-Negative) neugierig und laden ein: Es hat sich etwas getan! Informier Dich! Lass nicht denken und Denke selber!“

    das ist eine gute frage die nicht so einfach umzusetzen ist. imo genügt es nicht nur eine kampagne mit einem solchen inhalt zu starten. die voraussetzung das eine solche kampagne auch etwas bewirkt ist nicht nur das vermitteln von informationen sondern die praktische umsetzung der informationen in den alltag. viele hiv positive sind – so nehme ich es wahr – in starkem maß stigmatisiert, mit schuldgefühlen angefüllt, die eine objektive einschätzung ihrer situation bzw dem inhalt des ekaf papiers kaum zuläßt. selbst wenn eine therapie unter den vorgegebenen bedingungen funktionert, ist da immer noch die selbsteinschätzung – wahrnehmung das „von einem selbst eine gefahr ausgeht“.

    ohne eine auseindersetzung mit selbststigmatiserung, ohne seine eigene sicht und denkweise auf den prüfstein zu legen und schwachstellen zu entdecken, ggf. mit hilfe anderer, wird der einzelne nicht zu einem umdenken und entsprechendem handeln gelangen.

    lg alivenkickn

  2. ondamaris sagt:

    überfällig – du sagst es. dies eine wort sagt alles …

  3. termabox sagt:

    @ alivenkickn:

    Selbst-/Stigmatisierung ist mit Sicherheit ein zentrales Thema, aber es gibt auch HIV-Positive, die frei davon sind und ich mag die Stigmatisierung nun nicht wie einen Zuckerguss über JEDES Thema drüberkippen.

  4. termabox sagt:

    @ ondamaris

    Mir ging es darum, aufzuzeigen, dass es Möglichkeiten gibt, wie das seit mehr als einem Jahr aktuelle Thema Sex und Viruslast öffentlich präsentiert werden kann.

    Sollte man eine erweiterte Empfehlung formulieren „Geh zum Arzt oder einer Aidshilfe und informiere Dich…“ sehe ich allerdings schwarz. Sowohl Ärzte als auch Aidshilfen sind oft ungeeignet, dort wirklich unzensierte gute Beratung in der Sache zu bekommen.

    Derweil trommelt das Buschtelefon lebendig weiter und der gemeine schwule Mann und auch aufgeweckte Heteros wundern sich. Grassroot und Underground sind einfach bewährte Kanäle, Informationen rund zu bringen! Das Vertrauen in die sogenannten Experten schmilzt derweil dahin wie die das Eis an den Polkappen.

  5. alivenkickn sagt:

    @termabox

    soifz . . .ich dachte dabei auch an die Menschen die durch die Prävention erreicht werden sollen als an mutige in die Offensive gehende HIV Positive.

    Wenn Du mit Underground (Wer oder Was ist Grassroot?) u.a. die BloggerScene meinst – möglicherweise haben wir da eine unterschiedliche Wahrnehmung. Soviele HIV positive Blogger die mutig und offen Stellung beziehen sehe ich nicht. Es ist die übliche Handvoll Verdächtiger . . . .;)

    LG Alivenkickn

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