Schweiz geht in die Offensive: Solidarität YES – Diskriminierung NO!

Am 3. November startete in der Schweiz eine Kampagne, die aktiv und offensiv Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen mit HIV und AIDS im eigenen Land abbauen will. Die Schweizer Kampagne „Gegen AIDS. Für die Betroffenen.“ übernimmt ein Kampagnenkonzept, dass schon in Frankreich überzeugte.

„Würden Sie mich noch sehen wollen, wenn ich HIV-positiv wäre?“ fragt Sandra Studer und blickt einem dabei direkt in die Augen. Mit solch persönlich gefärbten Fragen zeigen Schweizer Prominente (neben Sandra Studer auch Didier Cuche, Stephan Eicher, Marc Forster, Stephanie Glaser) ihre Solidarität mit den Betroffenen. Sie machen darauf aufmerksam, dass HIV-positive Menschen in der Schweiz nach wie vor mit grossen Vorurteilen zu kämpfen haben. Die Diskriminierung von Menschen, die mit HIV oder Aids leben, ist auch in der Schweiz immer noch an der Tagesordnung.

Heute ist die Diagnose „HIV-positiv“ dank grosser Fortschritte in der Medizin kein Todesurteil mehr. HIV/Aids ist zu einer chronischen und doch unheilbaren Krankheit geworden, die immer mehr Personen in der Schweiz betrifft. …“

Diese Botschaften sind ab sofort in der Schweiz als Plakate und in einem TV-Spot zu sehen.

Anders als in Deutschland, wo die Gesundheitsbehörden in zentralen Kampagnen sowohl bei „Gib AIDS keine Chance“ als auch in der Kampagne zum Welt-AIDS-Tag ihren Schwerpunkt auf die Primärprävention (Vermeidung von Neuinfektionen) legen, stehen nun nach Frankreich auch in der Schweiz die Verbesserung der gesellschaftlichen Lebensqualität für HIV-Positive im Mittelpunkt.

Eine breite öffentliche Kampagne, die ganz gezielt die Stigmatisierung von Menschen mit HIV und AIDS abbauen will, fehlt dagegen in Deutschland noch.

Auch die Arbeit der Schweizer AIDS-Hilfe in Beratung und Unterstützung von Menschen mit HIV und AIDS, in Integration und Aufklärung der Gesellschaft, wird hervorgehoben, ein erfreulich anderer Akzent als er in den Grußworten deutscher Gesundheits-/Politiker zum 25-jährigen Bestehen der DAH gesetzt wurde.

Die Aids-Hilfe Schweiz schreibt weiter:

„…[Die Kampagne] soll auch helfen, die dringend benötigten finanziellen Mittel für die vielfältigen Aufgaben der Aids-Hilfe Schweiz zu beschaffen. Die Spendengelder werden eingesetzt für die Unterstützung und Hilfe von Betroffenen, für die Prävention bei Jugendlichen und für vieles mehr. …“

Dass neben Frankreich nun auch die Schweiz neue Wege in Kampagnen zu HIV und AIDS geht, weckt Hoffnung, dass bald in Deutschland neben den AIDS-Hilfen verstärkt auch das Gesundheitsministerium und mit ihm die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) in dieser Richtung kooperieren. Neue Horizonte eröffnet auch die zentrale Botschaft der Schweizer AIDS-Kommission vom Januar 2008, dass eine wirksame HIV-Therapie die Infektiosität unterdrückt, wie ich in meinem Blog „Neuer Optimismus im Leben mit HIV: Ich werde HIV überleben!“ bereits am 17.2.2008 geschrieben habe.

Seit vielen Jahren sagt ein Plakat der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Solidarität ist ansteckend – Mit HIV-Positiven arbeiten nicht!“

Und das muss auch in der Breite der Gesellschaft ankommen!

Meines Wissens nach arbeitet die Organisation der Positivenselbsthilfe in der Schweiz LHIVE bislang mit einem sehr kleinen Budget. Daher wäre es aus meiner Sicht – auch im Sinne der Zielsetzung der Kampagne –  wünschenswert, wenn an den jetzt – hoffentlich – eingehenden Spendengelder auch LHIVE teilhat, um geplante Selbsthilfe-Projekte mit einem besseren finanziellen Budget ausstatten zu könnten. Idealismus und Zeit ist bei vielen Menschen mit HIV und AIDS vorhanden, wer aber von Rente und geringen anderen Transferleistungen lebt, kann neben diesen ideellen Ressourcen meist eben KEINE materielle Ressourcen einbringen. Nicht nur Aidshilfen, sondern auch gerade die Positivenselbsthilfe ist – in der Schweiz wie in jedem anderen Land – auf Spenden und/oder öffentliche Förderung angewiesen.

2 Antworten zu Schweiz geht in die Offensive: Solidarität YES – Diskriminierung NO!

  1. michèle sagt:

    lieber michael
    ist dir aufgefallen, dass das logo von LHIVE auf den kampagnen plakaten ist?
    nicht? das dachte ich mir, in dem logo-salat…;-)

  2. termabox sagt:

    Hallo Michèle!
    In der Tat, ich musste etwas suchen nach eurem Logo.
    Na dann werde ich LHIVE auch glaich als Tag hinzufügen🙂

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