50/2010 – Bundesweite Studie zum „älter werden mit HIV“ geht an den Start

Nach der US-amerikanischen Studie ROAH über die Situation von älteren Menschen mit HIV beginnt nun auch eine erste deutsche Untersuchung zu den gesundheitlichen und psychosozialen Auswirkungen der HIV-Infektion auf Menschen über 50 Jahren. Die Münchner Ärzte Eva Wolf und Hans Jäger informieren über die jetzt begonnene und unter der Bezeichnung 50/2010 laufende DAGNÄ-Studie in einem Beitrag in der September-Ausgabe von „HIV&more“.

40 bundesweit verteilte Schwerpunktpraxen und Ambulanzen werden über 2 Jahre (bis 2010) Daten zur Gesundheit von über 50-jährigen HIV-Positiven aufnehmen. Eine Forschung in diesem Bereich wird dringend nötig, denn „innerhalb der nächsten 5-10 Jahre werden über die Hälfte der HIV-Patienten über 50 Jahre alt sein“.

Berichtet wird, dass in der bundesweiten Kohorte des Kompetenznetzes HIV/AIDS, in das Daten von 9258 HIV-Positiven einfliessen, aktuell der Anteil der 50- bis 59-jährigen Patienten 15.9% beträgt und der Anteil der über 59-jährigen Patienten bei 9.6% liegt.

Wolf und Jäger berichten, dass der Schwerpunkt der 50/2010-Studie bei den „Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Malignomen, dem metabolischen Syndrom und weiteren Ko-Erkrankungen, sowie psycho-sozialen Aspekten und Lebensqualität“ liegt.

Verglichen werden 3 Gruppen von Menschen, die älter als 50 Jahre sind:

  • 250 HIV-Positive
  • 250 HIV-Negative mit Diabetes mellitus II
  • 250 Patienten ohne bekannte schwere chronische Erkankung

In dem Beitrag in HIV&more werden in einer Auswahl vorgestellt:

  • wichtigste Fragestellungen
  • Mitglieder der Kerngruppe (mit Namen und Ortsangabe)
  • wesentliche Variablen des Dokumentationsbogens

An psychosozialen Fragestellungen wird in einer Auswahl benannt:

  • Ist die körperliche Aktivität in den drei Gruppen unterschiedlich?
  • Ist das sexuelle Verhalten in den drei Gruppen unterschiedlich?
  • Ist der Sozialstatus in den drei Gruppen unterschiedlich, d.h. leben chronisch erkrankte Personen häufiger allein, sind früher im Ruhestand oder häufiger arbeitslos?

Zu der Kerngruppe der Studie gehören Schwerpunktpraxen in Aachen, Berlin, Düsseldorf, Hannover, Hamburg, Karlsruhe und München. Die Steuerung der Studie liegt bei der Geschäftstelle der DAGNÄ in Aachen.

Die Endauswertung der Studie ist für das 3. Quartal 2010 vorgesehen.

Der Beginn dieser Studie ist sehr zu begrüßen. Offen bleibt für mich die Frage, ob beim Studiendesign Menschen mit HIV beteiligt waren. Begrüssenswert ist, dass auch erste psychosoziale Fragestellungen behandelt werden. Bis zur Endauswertung 2010 sollte man allerdings nicht warten, besonders zur sozialen Lebenssituation von älteren Menschen mit HIV Erkenntnisse über die Selbsthilfestrukturen und Beratungsstellen etc. Erfahrungen zusammenzuführen. Beim Kongress „HIV im Dialog“ am13. September in Berlin waren zwei Podiumsdiskussionen zum Thema „HIV und Alter“ sehr gut besucht. Auch bei den „Positiven Begegnungen“, der Konferenz zum Leben mit HIV und AIDS Ende Januar 2009 in Stuttgart wird „alt werden mit HIV“ erneut Schwerpunktthema sein.

Nachtrag  31.10.08: In dieser Power-Point Präsentation stellt Dr. Knechten / Aachen die 50/2010 Studie vor.


9 Antworten zu 50/2010 – Bundesweite Studie zum „älter werden mit HIV“ geht an den Start

  1. […] von Termabox ‘Jenseits der Miflife-Krise – Alt werden mit HIV‘ sowie über eine bundesweite Studie zum Thema ‘älter werden mit HIV’. […]

  2. ondamaris sagt:

    „Offen bleibt für mich die Frage, ob beim Studiendesign Menschen mit HIV beteiligt waren.“
    genau! und diese frage sollte vielleicht einmal der dagnä gestellt werden …

  3. alivenkickn sagt:

    so begrüßenswert dies auch ist – zeigt es doch eines. von der community ist nichts gekommen – deshalb greift nun eine bürokratische organisation – DAGNÄ – ein – mit bürokratischen mitteln eben . . studie. bitte mich richtig zu verstehen – es ist keine kritik . .nur eine feststellung.

    ich habe jedoch nur dieses eine leben . . und bis eine studie abgeschlossen – ausgewertet – von einer umsetzung dessen was sich aus einer studie als notwendig erweist gar nicht zu sprechen . .werden jahre ins land gehen . .while we´re gettn older n older . . .😦

    ich vermisse die leidenschaft und den enthusiasmus gepaart oder geboren aus der notwendigkeit der gegenwart – realität. und sag mir keiner das es das nicht gibt. die schwulenberatung regenbogenvilla hat bewiesen was möglich ist . . . .

  4. termabox sagt:

    @ alivenkickn:
    Eine wissenschaftliche Studie durchzuführen ist nicht nur eine logistische Arbeit sondern auch eine Frage der Finanzierung. Mit den Voraussetzungen für eine Studie habe ich mich bisher nicht befasst. Ich vermute aber, es ist ein Haufen Arbeit. Und die Auswertung dann auch.
    Ich denke, man/wir sollten das eine tun ohne das andere zu lassen: Die Studie unterstützen und auch parallel unsere eigenen Erfahrungen zusammentragen, formulieren und in praktisches Handeln umsetzen.
    Am 25.9. findet im Praxiszentrum Dr. Knechten eine Fortbildung zum Thema „Alt werden mit HIV“ statt. Diese wird i.d.R. auch von HIV-Positiven besucht. Man könnte ja dort die Frage stellen nach dem Einbezug der Selbsthilfe in die Studienplanung…
    Und wir Alten (nächstes Jahr gehöre ich dann ja auch „urkundlich“ dazu🙂 ) sind ja stark im Kommen. Und unter uns sind viele Pioniere der ersten Jahre mit HIV. An der Power wird es uns wohl nicht fehlen…
    meint die optimistische termabox😉

  5. alivenkickn sagt:

    @tbox

    Ich denke, man/wir sollten das eine tun ohne das andere zu lassen: Die Studie unterstützen und auch parallel unsere eigenen Erfahrungen zusammentragen, formulieren und in praktisches Handeln umsetzen.

    das seh ich auch so – und in der tat es wäre wünschenswert wenn es so läuft.

    was mich n bischen wundert – sind die ärzte in frankfurt nicht an der studie beteiligt? fände ich fatal weil gerade in ffm eine vernetzung von arzt praxen besteht und ein großer fundus an erfahrung vorhanden ist.

  6. termabox sagt:

    @ alivenkickn:

    Aus Frankfurt als einem der großen Behandlungszentren ist sicherlich auch eine der 40 Praxen/Ambulanzen, die an der Studie beteiligt sind, beteiligt. Aufgeführt ist ja nur die „Kerngruppe“.
    Wer als HIV+ Interesse an einer Studien-Teilnahme hat, sollte mit seinem/seiner Arzt/Ärztin sprechen oder in der Geschäftstelle der DAGNÄ anrufen. Der link mit den Kontaktdaten ist ja von mir eingestellt worden. Ob die 250 HIV+ schon zusammen sind, geht aus dem Beitrag nicht hervor und ausführlichere Informationsquellen zu 50/2010 kenne ich nicht.

    hm… „tbox“ ist mir eine zu nahe assoziation zu einer gewissen telekommunikation. diese abkürzung mag ich für mich nicht.

    herzlich grüßt die termabox🙂

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