Solidargemeinschaft statt „Schuld und Malus“

„Resolution des 123. bundesweiten Positiventreffens

 

Solidargemeinschaft statt „Schuld und Malus“

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 123. bundesweiten Positiventreffens haben sich mit den Veränderungen des SGB V durch das geplante Pflegeweiterentwicklungsgesetz beschäftigt.

 

Der Absatz 2 des § 249, SGB V soll folgende Fassung erhalten:

 

..(2) Liegen Anhaltspunkte dafür vor, dass Versicherte sich eine Krankheit … durch eine medizinisch nicht indizierte ästhetische Operation, eine Tätowierung oder ein Piercing zugezogen haben (§52), sind die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmenden Ärzte….“

 

Für uns heißt das, dass Versicherte, die Risiken wie ästhetische Operationen oder das Anbringen von Piercings und Tätowierungen eingehen, die eventuell daraus entstehenden Kosten selbst zu tragen haben, da sie „schuldhaft“ diese Risiken freiwillig eingegangen sind. Hierzu sollen Ärztinnen und Ärzte Patientendaten an die Krankenkassen weitergeben müssen.

 

Wir meinen, dass eine Situation, in der Ärztinnen und Ärzte gezwungen sind, sensible Daten ihrer Patientinnen und Patienten an Krankenkassen weiterzugeben, einer Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht gleichkommt. Wir befürchten dadurch Verschlechterungen im vertrauensvollen Verhältnis von Patientinnen und Patienten zu ihren Behandlerinnen und Behandlern.

Ein vertrauensvolles Verhältnis ist jedoch gerade für chronisch Kranke von erheblicher Bedeutung.

Zudem ist fraglich, ob durch die hier zur Diskussion stehenden Fälle Folgekosten nach ästhetischen Operationen, Piercings oder Tätowierungen tatsächlich Kosten in nennenswerter Höhe eingespart werden können.

 

Geht es nicht vielmehr darum, das Schuldprinzip einzuführen? Der Einstieg in ein begrenztes „Schuldprinzip“ hat nur eine Türöffnerfunktion, um das bewährte Solidarprinzip „Einer trage des anderen Last“ gänzlich auszuhöhlen.

Das Solidarprinzip erachten wir aber als einen Grundwert unserer Gesellschaft. Es zu gefährden heißt, den gesellschaftlichen Konsens der Republik zu gefährden und bedeutet die faktische Abschaffung des gleichen Rechts aller Bürgerinnen und Bürger auf Gesundheit. Eine mögliche Ausweitung über die aufgezählten Risiken hinaus, die bereits debattiert wird (Stichworte: Ski- und allgemein Sportunfälle, Folgen des Rauchens und von Alkoholkonsum) machen über kurz oder lang jeden zum „Schuldigen“. Mehr und mehr werden so die Kosten gesundheitlicher Risiken privatisiert.

 

Wir fordern daher die Mitglieder des Deutschen Bundestages auf, das Solidarprinzip in der Sozialversicherung beizubehalten und von der geplanten Änderung des SGB V abzusehen.

 

Um Kosten durch die Folgen der erwähnten Risiken zu minimieren, böte sich die Fixierung von Qualitätsstandards für ästhetische Operationen und das Anbringen von Piercings und Tätowierungen an.

 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 1223. bundesweiten Positiventreffens im Waldschlösschen

16. November 2007″

 

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Wir bitten Euch daher:

 

Nutzt unsere Resolution, um dmait einen Brief/ eine Mail an Euren Bundestagsabgeordneten zu schicken. Wer für Euren Wahlkreis im Bundestag sitzt, könnt Ihr über die Seite des Bundestages recherchieren.

 

Verbreitet diese Resolution weiter. Sprecht Journalistinnen und Journalisten an. Schickt diese Resolution Eurer Tageszeitung.

 

Wendet Euch an Eure Aids-Hilfe vor Ort. Bittet sie, wo sie es kann, zu intervenieren.

 

Falls Ihr Reaktionen bekommt, Antworten oder Veröffentlichungen, würden wir uns freuen, wenn Ihr uns informiert und bieten die Dokumentation dieser Reaktionen auf unserer Website an.

 

unsere Mailadresse: info@positiv-ev.de

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Dieser Beitrag wurde erstmals von mir gepostet am 16.11.2007 im damals bestehenden Blog der Kampagnenseite www.welt-aids-tag.de. Leider wurde der Blogbereich dort im Juli 2008 komplett abgeschaltet. Auf vielfachen Wunsch mache ich meine alten Beiträge hier wieder zugänglich.

 

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