HIV-Prävention in der Schwulensauna

„Therapie statt Safer-Sex – Wie verändert der medizinische Fortschritt die HIV-Prävention und das Safer-Sex-Verhalten?“, darum ging es beim Talk zum Welt-AIDS-Tag in Wuppertals Männersauna Theo’s Sauna Club am 1. Dezember 2007.

Seit vielen Jahren zählt der Talk in Theo’s Sauna zu den traditionellen Veranstaltungen am Welt-AIDS-Tag in Wuppertal. Meist sehr lebhaft diskutiere ich mit den Saunagästen zwischen Tresen und Kaminfeuer über aktuelle Themen rund um HIV und schwule Gesundheit und informiere über den aktuellen Wissensstand. Danke an Saunabetreiber Theo und Klaus für ihren Beitrag, mit unserem alljährlichen Sauna-Talk das Thema HIV im Bewußtsein aller wach zu halten!

Dieses Jahr stelle ich in meinem kleinen Einführungsvortrag die Einflüsse der medizinischen Entwicklung auf das Safer-Sex-Denken in den Vordergrund:

Durch die immer weiter sich verbessernde Behandelbarkeit wird HIV und AIDS von vielen nicht mehr als so bedrohlich erlebt. Die Erfahrungen des zahlreichen Sterbens vieler Freunde an AIDS in den 80er und 90er Jahren ist in den Lebensgeschichten vieler älterer schwuler Männer tief eingebrannt. Safer Sex, also sich zu schützen und Kondome zu benutzen, ist für diese Generation eine Selbstverständlichkeit. Dass AIDS heute von der jüngeren Generation, in der Zeit der dauerhaft wirkenden HIV-Medikamente, als weniger bedrohlich erlebt wird, löst oft Unverständnis und Kopfschütteln aus, dass die alte Selbstverständlichkeit heute nicht mehr zu gelten scheint, auch Zorn.

Tatsache ist, dass viele junge, aber durchaus auch ältere Schwule sehr spitzfindig darin sind, Wege zu überlegen, sich vor HIV schützen aber doch auf das ungeliebte Kondom verzichten zu wollen. Die neuen Behandlungsmöglichkeiten werde da natürlich mit in die Strategien eingebaut.

Da wird nun also spekuliert, dass ein Positiver nicht mehr HIV übertragen könne, wenn er die Medikamente einnimmt und dadurch weniger HIV (nicht-nachweisbare Viruslast) in Blut und Sperma hat. Oder dass die Post-Exposition-Prophylaxe (PEP), die Einnahme der HIV-Medikamente für 1 Monat nach einem ungeschützten Sex doch eine HIV-Ansteckung noch verhindern könne. Oder dass die gezielte Einnahme der HIV-Medikamente VOR einem bewußt gewollten Sex ohne Kondom ein Schutz vor HIV sein könne.

Was ist da dran? Stimmt das alles und welche Risiken bleiben, HIV zu bekommen? Stoff genug für einen heissen Diskussionsabend.

Unterm Strich, so meine Bewertung, sind diese Überlegungen nicht geeignet, auf ein Kondom zu verzichten um wirkungsvoll und sicher eine HIV-Infektion zu vermeiden. Als HIV-Negativer Medikamente statt eines Kondoms zu nehmen, ist arg gewagt, teuer und sollte nicht die „erste Wahl“ für den eigenen Schutz sein.

Spannend bleibt aber die große Frage, wie infektiös ein HIV-Positiver, dessen Viruslast unter der Nachweisgrenze liegt, tatsächlich ist. Dieses Thema wird garantiert in den nächsten Monaten und Jahren heiss diskutiert und weiter erforscht werden. Denn Fakt ist schon heute, dass eine niedrige oder nicht mehr nachweisbare Viruslast die Infektiosität des HIV-Positiven sehr stark senkt. Das ist eine sehr gute Nachricht gerade für Partnerschaften, in denen ein Partner HIV-negativ, der andere HIV-positiv ist. Denn gerade hier ist Sexualität meistens sehr belastet durch die Angst und Sorge vor einer Übertragung von HIV.

Mir ist es wichtig, dass diese offene Frage: Wie groß ist die Übertragbarkeit / das Ansteckungsrisiko bei einem mit HIV-Medikamenten behandelten Menschen? offensiv diskutiert wird. Nur so kann ich als Mitarbeiter der AIDS-Hilfe Fehlinterpretationen vorbeugen.

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Dieser Beitrag wurde erstmals von mir gepostet am 3.12.2007 im damals bestehenden Blog der Kampagnenseite www.welt-aids-tag.de. Leider wurde der Blogbereich dort im Juli 2008 komplett abgeschaltet. Auf vielfachen Wunsch mache ich meine alten Beiträge hier wieder zugänglich.

2 Antworten zu HIV-Prävention in der Schwulensauna

  1. patrick sagt:

    dachte heute nach unserem gespräch:
    du bist wie eine seltene wunderschön blühende pflanze.
    danke dir.
    patrick

  2. termabox sagt:

    @ patrick: so komme ich mir auch manchmal vor. aber wenn man wunderschön blüht, sehen einen ja auch die anderen und vielleicht ergibt sich daraus eine angenehme gesellschaft🙂 nur bestaunt zu werden wäre mir zu wenig…

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